Der türkische Staatschef Erdoğan wirft dem Prediger Gülen vor, den Staat zu unterwandern.

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Fast vier Jahre nach dem Putschversuch vom Sommer 2016 suchen die türkischen Behörden weiter nach angeblichen Mitverschwörern. Staatsanwälte ließen am Dienstag der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge in 35 Städten nach 118 Personen fahnden. 72 von ihnen waren demnach am späten Vormittag bereits in Haft.

Den Gesuchten werden Verbindungen zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen. Er soll hinter dem Putschversuch gegen Präsident Tayyip Erdoğan von 2016 stecken und den Staat unterwandern. Bisher wurden rund 80.000 Menschen angeklagt und etwa 150.000 Staatsdiener und andere Personen entlassen oder vom Dienst suspendiert. Gülen, den Erdoğan früher zum Unterstützer hatte, weist die Vorwürfe zurück.

Meiste Betroffene im Militär

Bis zum Beginn der Corona-Krise hatte Anadolu mitunter mehrmals wöchentlich über Serienfahndungen und Massenfestnahmen berichtet. Danach wurden Berichte seltener. Seit dem 1. Juni hat die türkische Regierung eine ganze Reihe von Corona-Einschränkungen gelockert – auch in Regierungsbehörden.

Die meisten Gesuchten gehören dem Bericht zufolge dem Militär an. Die Regierung wirft Gülen auch vor, staatliche Institutionen wie die Armee gezielt infiltriert zu haben. (APA, 2.6.2020)