Ried-Trainer Gerald Baumgartner: "Wir haben einen kleinen Polster, aber den wollen wir nicht brauchen."

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Klagenfurt/Ried im Innkreis – Ried geht am Freitag als großer Titelfavorit in den Restart der 2. Fußball-Liga. Vor dem Heimduell mit Lafnitz (20.25/live ORF Sport+) weist man acht Punkte Vorsprung auf den einzig verbliebenen Herausforderer Austria Klagenfurt auf, elf Runden sind noch zu absolvieren. Ried-Coach Gerald Baumgartner blies dennoch zum Angriff: "Wir haben einen kleinen Polster, aber den wollen wir nicht brauchen."

Viele hatten die Saison nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie schon abgeschrieben. Doch die 2. Liga raffte sich trotz der finanziellen Bürden durch das Geisterspiel-Konzept zum Weitermachen auf. Der größte Interessent war logischerweise Ried, das um den auch wirtschaftlich so wichtigen und sehr wahrscheinlichen Aufstieg bangen musste. Denn vor der Zwangspause sprach alles für die Innviertler, die laut Baumgartner nach sehr guter Vorbereitung "in den Flow gekommen" waren.

Die bisher letzte Rieder Niederlage datiert vom 23. August (1:3 gegen den GAK), seit damals hat man sich auch nur zwei Unentschieden erlaubt. Eines davon (1:1) gegen Klagenfurt, das im Herbst lange auf Platz eins lag, dann aber schwächelte und Ried peu a peu ziehen lassen musste. Der Rückfall begann mit einer Niederlage in der letzten Herbstrunde und setzte sich mit nur zwei Punkten aus drei Frühjahrspartien fort.

Klagenfurt: "Wir sind ja schon abgeschrieben"

"Ich kann meinen Spielern eigentlich keinen Vorwurf machen", meinte Austria-Coach Robert Micheu, dessen Elf am Sonntag (10.30) Kapfenberg empfängt. "Man darf bei aller Euphorie nicht vergessen, dass fast aus einem Außenseiter ein Mitfavorit auf den Titel geworden ist." Der einstige Bundesligakicker denk angesichts der Formkurven vor Corona, dass die Pause "für uns sicher besser war als für Ried". Ein weiterer kleiner Vorteil für sein Team könne sein, dass der Druck nun bei den "Wikingern" liege: "Wir sind ja schon abgeschrieben."

Micheu will sich aber so oder so nicht am Kontrahenten orientieren, darin ist er sich mit Baumgartner einig. Letzter will möglichst schnell für Klarheit sorgen. "Das Wichtigste wird sein, uns auf unsere Aufgaben zu konzentrieren", sagte der Salzburger. Die Freude auf den Wiederbeginn sei jedenfalls groß. Schließlich war man gerade zu Beginn der Corona-Pause vor allem abseits des Sportlichen gefordert. "An das will ich gar nicht denken", meinte Baumgartner. "Wir haben etwa zu Beginn im Hintergrund vielen Vereinen Mut gemacht haben, sich dazu zu bekennen, dass man zuerst ein bisschen zuwartet." Es hat sich ausgezahlt.

Ein durchaus interessanter Aspekt der Ligafortsetzung ist der Umstand, dass es keinen Absteiger gibt, Clubs also nicht "mit voller Hose" antreten müssen. "Bei uns kommen oft Gegner, die sich hinten hineinstellen. Sie könnten jetzt offensiver spielen", mutmaßte Baumgartner. "Aber ich denke, dass die gegnerischen Trainer auch ihre Punkte machen wollen." (APA, 4.6.2020)