Die Pflege wird wegen der demografischen Veränderungen zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft.

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Nicht erst durch die Corona-Pandemie haben sich die Anforderungen an das Pflegemanagement verändert, sie sind aber sichtbarer geworden. In Krisen- und Katastrophensituationen muss schnell reagiert werden, dafür müssen Aufgaben und Zuständigkeiten klar definiert und die notwendigen Ressourcen für eine verlässliche Versorgung vorhanden sein.

Gerald Schöpfer ist seit 2013 Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.
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An der Uni for Life der Universität Graz gibt es mit dem Universitätslehrgang "Führungsaufgaben in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens" für mittleres Pflegemanagement bzw. dem gleichnamigen Masterupgrade für gehobenes Pflegemanagement zwei Weiterbildungsprogramme, die Führungskräfte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen mit den nötigen Kompetenzen dafür ausstatten. Neben dem Fachwissen, um den Mitarbeitern entsprechende Handlungsleitlinien und auch Sicherheit zu vermitteln, müssen Führungskräfte gerade jetzt ein hohes Maß an Flexibilität mitbringen, um rasch mit den geänderten Herausforderungen umgehen zu können und die Handlungskontrolle zu behalten, sagt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes und wissenschaftlicher Leiter der beiden Lehrgänge.

Engpässe vermeiden

Gerade bei der Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen wurden durch die Krise Schwachpunkte sichtbar. In vielen Pflege- und Betreuungseinrichtungen waren qualitätsvolle Schutzausrüstungen Mangelware oder gar nicht vorhanden. "Die Krise hat uns in diesem Ausmaß überraschend getroffen. Hier hat die ganze Republik gelernt, zukünftig für einen entsprechenden Vorrat zu sorgen", sagt Schöpfer. Ob Corona das Pflegemanagement nachhaltig verändern werde, sei derzeit noch nicht abschätzbar. Die Vorbereitungen für Krisen- und Katastrophensituationen – von der Pandemie bis zur Naturkatastrophe – werde zukünftig, so Schöpfer, sicherlich einen höheren Stellenwert bekommen.

Am Lehrplan der Weiterbildungslehrgänge stehen auch das Entwickeln von Team- und Handlungskompetenzen sowie soziale Fähigkeiten. Diese Kompetenzen sollen helfen, Konflikt- und Kooperationsverhandlungen gut führen zu können. Zuhören zu können und auf die Probleme und Sorgen der Mitarbeiter eingehen zu können sind für Schöpfer in Krisenzeiten besonders wichtige Attribute von Führungskräften. Auch in ungewissen Phasen Zuversicht und Ruhe auszustrahlen habe eine stabilisierende Wirkung. Und ein regelmäßiger Austausch und ein gemeinsames Handeln innerhalb der Führungsetage seien gerade in Krisenzeiten besonders wichtig.

"Das Gefühl, wichtige und sinnvolle Aufgaben zu erledigt zu haben, bestärkt das eigene Tun", ergänzt er. Die Gefahr, dabei auszubrennen, ist aber nicht zuletzt deshalb im Gesundheitsbereich besonders hoch. Untersuchungen zeigten, dass bis zu 30 Prozent der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich Burnout-gefährdet sein dürften. Sich trotz geringen Zeitbudgets immer wieder Freiräume zur Regeneration zu schaffen ist für Schöpfer dabei besonders wichtig.

Attraktivität steigern

Schon vor der Corona-Pandemie waren Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich stark nachgefragt. Systemrelevant während der Krise, haben Mitarbeiter in diesem Bereich einen wichtigen Beitrag dafür geleistet, die gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern. Bonuszahlungen an Pflegekräfte sind für Schöpfer zwar zu begrüßen, können aber nur ein erster Schritt sein, um Wertschätzung auszudrücken. Hier erhofft er sich, dass in naher Zukunft auch entsprechende Maßnahmen diskutiert und in der Folge beschlossen werden. Im Arbeitsprogramm der Bundesregierung steht eine Pflegereform auf der Agenda. Eine entsprechende Bezahlung ist für Schöpfer dabei nur eine Maßnahme, genauso wichtig wäre auch eine Förderung der Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten von Pflegekräften, um den Beruf attraktiver zu machen, ergänzt er.

Die Pflege wird wegen der demografischen Veränderungen zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Die Pflegeberufe sind überaus anspruchsvoll und erfordern großen persönlichen Einsatz, sagt Schöpfer. (Gudrun Ostermann, 5. 6. 2020)