Nach einer Affäre um ein angebliches Giftkomplott weist Tschechien zwei russische Diplomaten aus.

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Prag – Nach einer Affäre um ein angebliches Giftkomplott weist Tschechien zwei russische Diplomaten aus. Man greife nur sehr selten und nur nach sehr reiflicher Überlegung zu einem solchen Schritt, sagte Außenminister Tomas Petricek am Freitag in Prag. Das Verhalten Moskaus lasse indes keine andere Möglichkeit zu. Russlands Außenministerium reagierte prompt und kündigte Gegenmaßnahmen an.

Das Vorgehen Prags füge den Beziehungen beider Länder einen schweren Schaden zu, teilte das Moskauer Ministerium mit. Dies werde in Zukunft die russische Haltung beeinflussen. Prag werde eine entsprechende Antwort erhalten. "Für solche Provokationen muss man zur Verantwortung gezogen werden", hieß es.

Unnötige Komplikationen

Auslöser der Affäre war ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Respekt", worin es hieß, ein russischer Diplomat habe einen Koffer mit dem tödlichen Gift Rizin ins Land geschmuggelt. Das sei in tschechischen Sicherheitskreisen als Gefahr für den russlandkritischen Prager Oberbürgermeister Zdenek Hrib und zwei weitere Kommunalpolitiker gewertet worden.

Die Giftgeschichte soll sich nun als erdacht erwiesen haben: "Die ganze Affäre war das Ergebnis eines internen Kampfes zwischen Mitarbeitern der russischen Botschaft in Prag", sagte der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis. Der eine habe die Falschinformation dem tschechischen Geheimdienst BIS gesteckt, um sich an dem anderen zu rächen. Das habe zu unnötigen Komplikationen in den beiderseitigen Beziehungen geführt, kritisierte Babis.

Russland verärgert

Russland reagierte verärgert auf die Ausweisung. Die russische Botschaft in Prag sprach von einem "unfreundlichen Schritt", der auf "unbegründeten Anschuldigungen" in den Medien beruhe. Prag sei wenig daran interessiert, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu normalisieren. "Wir sind zutiefst enttäuscht", so die Botschaft bei Facebook. Offen blieb, ob auch Russland tschechische Botschaftsmitarbeiter ausweisen wollte.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich verschlechtert, seitdem die Prager Stadtverwaltung eine Statue für den Sowjetmarschall Iwan Konew entfernt und den Platz vor der russischen Botschaft nach dem ermordeten Oppositionspolitiker Boris Nemzow umbenannt hatte. (APA/dpa, 5.6.2020)