Houston – Vor der Beerdigung des bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Afroamerikaners George Floyd in Houston haben sich am Montag mehr als 6000 Menschen am aufgebahrten Sarg des 46-Jährigen verabschiedet. Viele Trauergäste knieten vor der Leiche Floyds nieder oder sprachen stille Gebete.

Der Sarg von George Floyd wurde in einer Kirche in seiner Heimatstadt Houston aufgebahrt.
Foto: Reuters/GODOFREDO A. VASQUEZ; -

In Washington gedachten die oppositionellen Demokraten im Kongress Floyd mit einem Kniefall. Eine von den Demokraten vorgeschlagene Polizeireform lehnte das Weiße Haus umgehend ab.

Aufbahrung in Floyds Heimatstadt

Sechs Stunden lang war der Sarg in der Kirche Fountain of Praise in Floyds Heimatstadt Houston aufgebahrt. Wegen der Corona-Pandemie trugen die meisten Gäste der Trauerfeier Atemschutzmasken.

Das Gedenken an Floyd "bringt uns als Land näher zusammen", sagte der 41-jährige Kevin Sherrod, der mit seiner Frau und den beiden Söhnen zur Kirche gekommen war. "Mit meinen Söhnen hier zu sein bedeutet mir viel. Dies ist ein wichtiger Zeitpunkt in der Geschichte, und sie werden sich immer daran erinnern, dass sie Teil davon waren."

Floyd war am 25. Mai nach einem brutalen Polizeieinsatz gestorben, bei dem ein weißer Beamter ihm fast neun Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte, obwohl Floyd wiederholt klagte, er bekomme keine Luft. Seine Beerdigung, die im kleinen Kreis abgehalten wird, ist am Dienstag in Pearland bei Houston, Texas, vorgesehen.

Mordanklage

Am Montag wurde der wegen Mordes zweiten Grades angeklagte Polizist Derek Chauvin erstmals vor Gericht angehört. Der Richter setzte die Kaution für eine Freilassung des 44-Jährigen mit einer Million Dollar (rund 890.000 Euro) unter Bedingungen fest. Bei einer Verurteilung drohen Chauvin 40 Jahre Haft.

Floyds Tod hat in den USA landesweit zu Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt, in denen zuletzt die Forderung nach tiefgreifenden Reformen im Polizei- und Justizsystem zunehmend in den Vordergrund rückte.

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai gestorben, nachdem ein weißer Polizist in Minneapolis ihn minutenlang mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt hatte.
Foto: EPA/LARRY W. SMITH

Einen von den Demokraten vorgeschlagenen Gesetzestext zur Reformierung der Polizei wies die Sprecherin des US-Präsidialamts, Kayleigh McEnany, jedoch zurück. Der Vorschlag enthalte einige "Rohrkrepierer", etwa die Erleichterung der Strafverfolgung von Polizisten, sagte sie.

Reaktion des US-Präsidenten

Zugleich räumte McEnany ein, dass sich Präsident Donald Trump den Gesetzestext der Opposition noch nicht selber angesehen habe. Trump prüfe "mehrere Vorschläge" zur Polizeireform, sagte die Sprecherin weiter.

Trump sagte am Montag bei einem Treffen mit Vertretern von Polizei und Staatsanwaltschaften im Weißen Haus, ein Vorfall wie der Tod Floyds "hätte nie passieren dürfen". Seine Regierung befasse sich deshalb mit "Ideen" und "Konzepten" für Veränderungen bei der Polizei. Dabei gehe es jedoch nicht darum, den Polizeibehörden Finanzmitteln zu entziehen.

Der Präsident wirft den Demokraten und ihrem voraussichtlichen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden vor, sie wollten die Finanzmittel der Polizeibehörden zusammenstreichen. Dies wird von Teilnehmern der Proteste verlangt. Im Gesetzentwurf der Oppositionspartei ist eine Kürzung von Geldern für die Polizei aber nicht vorgesehen. Auch Biden distanzierte sich am Montag von derartigen Forderungen.

Biden wolle die Mittel für die Polizei nicht kürzen, sehe aber den "dringlichen Bedarf" an Reformen, erklärte der Sprecher der Biden-Kampagne, Andrew Bates. Zum Programm des voraussichtlichen Trump-Herausforderers bei der Wahl im November gehört demnach, die Verbesserung der Beziehungen zwischen der Polizei und den Bewohnern von Stadtvierteln finanziell zu fördern. Bidens Programm sehe 300 Millionen Dollar (265 Millionen Euro) für derartige Maßnahmen vor.

Biden war am Montag im texanischen Houston mit Angehörigen Floyds zusammengetroffen. Bei der Beisetzung des Afroamerikaners soll eine Videobotschaft Bidens abgespielt werden. (APA, 9.6.2020)