Viele sehen das Thema "Cultural Appropriation" nur als leidige Internetdiskussionen darüber, wer nun einen Kimono tragen und wer Matetee trinken darf. Als ginge es dabei nur um die Frage, wem Kultur "gehört". Das lenkt von einem wichtigeren Aspekt ab: Kultur nicht ausschließlich als Lifestyle zu konsumieren, sondern ehrliches Interesse für ihre Herkunft zu zeigen. Kultur gehört niemandem. Das heißt aber nicht, dass sie im luftleeren Raum entsteht, dass niemand sie schafft. Eine Aufschrift, die viele Transparente bei den diversen "Black Lives Matter"-Demonstrationen zierte, bringt das auf den Punkt: "Love black people like you love black culture."

Transparente bringen es auf den Punkt: "Love black people like you love black culture."
Foto: Anne-Christine Poujpulat/AFP/picturedesk

Popkultur ist längst nichts anderes als "black culture", gemacht in Amerika. Besonders der Einfluss von Hip-Hop auf die Jugendkultur kann nicht überschätzt werden: Ein Genre, das auf dem Kampf um Gleichberechtigung der afroamerikanischen Bevölkerung fußt.

Nicht nur in der Popkultur wurden die Ideen schwarzer Vordenker schamlos kopiert und von Weißen zu Geld gemacht. Auch jene, die "nur" konsumierten, glänzten zu oft durch Abwesenheit, wenn es um die Rechte jener Personen ging, deren Style sie so faszinierte. Die neue Diversität bei den aktuellen Demonstrationen zeigt eindrücklich: Die Menschen haben kapiert, dass Beyoncé zu hören allein nicht reicht – sie zeigen endlich Präsenz auf der Straße. (Amira Ben Saoud, 10.6.2020)