Mit einer Abwrackprämie will Frankreich seine nationale Fluglinie ökologisch auf Vordermann bringen und zugleich das Konsortium Airbus, an dem Frankreich beteiligt ist, durch Corona-bedingt schwierige Zeiten bringen.

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Die Luftfahrtindustrie befinde sich im "Ausnahmezustand", sagte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Dienstag in Paris, wo er ein Hilfspaket über 15 Milliarden Euro für die Branche vorstellte. Der Betrag enthält eine bereits versprochene Milliardenhilfe für die Fluggesellschaft Air France. Der andere Hauptnutznießer ist der weltgrößte Flugzeughersteller Airbus mit Hauptsitz in Toulouse.

Airbus wird auf verschiedene Weise gestützt. Die französische Luftwaffe zieht die Bestellung von Tankflugzeugen und anderem Militärmaterial vor. Paris speist zudem 1,5 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung ein. Dieses Geld soll namentlich dazu dienen, die gesamte Luftfahrtbranche "CO2-freier" zu machen, wie Le Maire sagte. Da der andere große Welthersteller, der amerikanische Boeing-Konzern, schon seit 2019 am Boden liegt, gilt es als wegweisend, wie der heutige Marktleader Airbus klimapolitisch über die Krise kommen will.

Flugzeuge sollen "grüner" werden

Le Maire erklärte, das Hilfspaket müsse auch dazu verwendet werden, ein "grünes Flugzeug" zu schaffen, das ab 2035 kohlenstoffneutral fliegen solle. Dasselbe gelte für Hubschrauber und Privatjets. Generell müsse die Corona-Krise auch eine Gelegenheit sein, die Luftfahrtindustrie komplett neu aufzustellen, sagte Le Maire.

Dabei geht es auch um die Rettung jener 35.000 Jobs, die Airbus und seine Zulieferer europaweit im Bereich Forschung und Entwicklung unterhalten. Ein Drittel soll gefährdet sein. Bedroht wäre laut Le Maire damit aber auch Europas Vormachtstellung in der Luftfahrt gegenüber Boeing und dem chinesischen Rivalen Comac.

Arbeitsplätze sichern

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister erklärte weiter, Frankreich, Deutschland und Großbritannien hätten sich darauf geeinigt, die staatlich garantierten Kredite für den Kauf von Flugzeugen um ein Jahr zu verlängern. Frankreich wendet dafür insgesamt 1,5 Milliarden Euro auf. Diese Notmaßnahme soll ebenfalls nicht nur Arbeitsplätze an Airbus-Standorten wie Toulouse, Hamburg oder Madrid retten, sondern indirekt zu ökologischerem Fliegen beitragen. Ziel ist es, dass die derzeit arg gebeutelten Fluggesellschaften auf der ganzen Welt in neue Maschinen investieren und ältere Maschinen abstoßen.

Im Schnitt verbraucht jede neue Flugzeuggeneration bis zu 25 Prozent weniger Kerosin. Der aus Toulouse stammende Parlamentsabgeordnete Mickaël Nogal erklärte deshalb, der Zahlungsaufschub bilde auch einen Anreiz zur Umstellung auf verbrauchsärmere Flugzeuge. Das sei eine eigentliche "Abwrackprämie" für Altflugzeuge nach dem Vorbild der Autoindustrie.

Zugfahren statt kurze Strecken fliegen

Le Maire machte klar, dass die Staatsmilliarden für Privatunternehmen wie Airbus oder Air France nicht umsonst zu haben sind. Bedingung dafür sei die ökologische Umstellung der ganzen Branche. Auch die Fluggesellschaften müssten bereit sein, angestammte Praktiken aufzugeben. Kurze Inlandflüge etwa seien ökologisch nicht mehr vertretbar, sofern als Alternative eine gute Zugverbindung zur Verfügung stünde. Air France denkt unter anderem darüber nach, die Strecke von Paris nach Bordeaux aus dem Programm zu nehmen. (Stefan Brändle aus Paris, 10.6.2020)