Attila Hildmann auf einer Demonstration gegen die Covid-19-Maßnahmen der deutschen Regierung.

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Egal ob es um den Coronavirus, Impfungen, Bill Gates, 5G oder andere aktuelle Themen geht: Es gibt kaum eine Verschwörungstheorie dazu, die sich nicht am Telegram-Kanal von Attila Hildmann findet. Einst vor allem bekannt als kontroversen-affiner veganer Koch versucht er sich seit geraumer Zeit als Widerstandskämpfer gegen finstere Mächte zu positionieren.

Während die von ihm behaupteten Bedrohungslagen primär eingebildeter Natur sind, dürfte er sich nun mit einem realen IT-Problem konfrontiert sehen. Mitglieder des Anonymous-Kollektivs in Deutschland ist es offenbar gelungen, sich Zugriff auf einen seiner Webserver zu verschaffen.

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Zugriff wohl dank veralteter Software möglich

Entsprechende Screenshots veröffentlichten sie am späten Dienstagabend über ihr kollaborativ betriebenes Twitter-Konto. Zu sehen ist die Verzeichnisstruktur, darunter auch jene des Mailsystems. Zudem wollen die Aktivisten auch ein Video der Produktion für einen Werbespot von Hildmanns Energydrink-Marke Daisho gefunden haben. Auf welche weiteren Daten oder gar Nachrichten man Zugriff erlangen konnte, teilte man nicht mit.

Für den Angriff wurden offenbar Sicherheitslücken veralteter Software ausgenutzt. Anonymous macht sich darüber lustig, dass auf dem Server nicht einmal HTTPS genutzt wurde. Laut den Botschaften hat der Administrator des Servers erst Mittwochmittag reagiert.

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Aufruhr in der Verschwörungsblase

Seitens Hildmann wurde der Angriff noch nicht bestätigt. Der mit ihm vernetzte Sänger Xavier Naidoo, ebenfalls sehr aktiv in Sachen Verschwörungstheorien, hat allerdings eine Botschaft eines "Anonymous Schweiz"-Telegram-Accounts geteilt. Dieser bestätigt die Attacke und distanziert sich wiederum von den auf Twitter tätigen Aktivisten. Deren Konto würde "nicht von Anon-Aktivisten" betrieben, was daran erkennbar sei, dass der Begriff "Verschwörungstheorie" gebraucht würde, den man als eine Erfindung der CIA betrachtet.

Anonymous Germany deutet derweil in Game of Thrones-Manier weitere Aktionen gegen "das braune Wespennest" an: "Zieht euch in Zukunft warm an. Virtual winter is coming." (gpi, 10.06.2020)