Das Video "Aotearoa" fasst Kaisers Neuseeland-Reise eindrucksvoll zusammen.
Peter Kaiser

Innsbruck – Der Corona-Lockdown hatte auch sein Gutes. So kam Peter Kaiser nach fast einem Jahr endlich dazu, sein Film- und Fotomaterial, das während eines ausgedehnten Neuseeland-Trips im vergangenen Jahr entstanden war, zu sichten und zu einer eindrucksvollen Reiseerzählung aufzuarbeiten. Zusammen mit Radlkollege Jonny Kielhorn durchquerte der Außerferner die Inseln von Süden nach Norden – immer auf der Suche nach den besten Plätzen zum Radeln.

Peter Kaiser auf dem berühmten McGazza-Hip in Wanaka.
Foto: Jonny Kielhorn

Davon fanden die beiden mehr als genug. Ausgehend von Queenstown im Süden Neuseelands erkundete Kaiser legendäre Spots wie den "McGazza-Hip", benannt nach dem legendären, im Jahr 2016 viel zu früh verstorbenen Kiwi-Freerider und Slopestyler Kelly McGarry. In der Region traf Kaiser auch den Trailbau-Experten Tom Hey, der für die Crankworx-Slopestyle-Kurse verantwortlich zeichnet. Schließlich war die Neuseeland-Reise so getaktet, dass der Tiroler beim ersten Stopp der Crankworx-Worldtour 2019 in Rotorua an den Start gehen konnte.

Tricksen mit Aussicht in den Fjorden des Milford Sound.
Foto: Jonny Kielhorn

Hey vermittelte Kaiser vor Ort Kontakt zur lokalen Dirtjump-Szene. So konnte der Tiroler den bekannten Wynyard Dirtpark unter die Stollenreifen nehmen. Sein Fazit nach der ersten Runde am legendären Dreamtrack: "Von der Ladefläche des Pickups angeschaut und gleich die ganze Line durchgerollt. Funktioniert auf eins und is a wirklicher Traum." Die Sessions dauerten an, bis es dunkel wurde. Nach einem kurzen Abstecher zu den Fjorden des Milford Sound ging es im Van weiter Richtung Norden.

Auch das Dirtbike wurde oft und ausgiebig genutzt.
Foto: Jonny Kielhorn

Der nächste Halt hieß Wanaka, Kaisers erklärter Lieblingsplatz in Neuseeland: "Seen, Berge, eine kleine, lebendige Stadt und vor allem allerhand spaßige Trails." Dank Gastfreundschaft seines Sponsors Mons Royal konnten Kaiser und Fotograf Kielhorn den Van in Wanaka für ein paar Tage ungenutzt stehen lassen und in einem Haus übernachten. Wie beliebt die lokalen Trails als Film- und Fotomotive sind, zeigte sich, als kurz nach Kaisers Besuch in Wanaka der Kanadier Brandon Semenuk zu Besuch kam, um zu drehen. Das Aufmacherfoto dieser Geschichte stammt von dort und zeigt, wie eindrucksvoll die Landschaft ist.

Nicht einfach, sich bei der Szenerie auf den Trail zu konzentrieren.
Foto: Jonny Kielhorn

Doch der straffe Zeitplan der auf anderthalb Monate angesetzten Reise ließ wenig Zeit zum Verweilen, es ging weiter Richtung Norden, nach Christchurch. Dort schrottete Kaiser nach einem missglückten Frontflip den Steuersatz seines Downhillers, weshalb er die Trails kurzerhand am Slopestyle-Bike rockte. "Die Trails bestehen hier ohnehin großteils aus Sprüngen", erzählt er achselzuckend.

Neben der Natur gab es für Peter Kaiser auch menschengemachte Features zu befahren.
Foto: Jonny Kielhorn

Krönender Abschluss der Rundreise war Kaisers Teilnahme am Crankworx Rotorua. Beim Speed-and-Style-Wettbewerb machten ihm zwar wieder technische Probleme zu schaffen, aber Kollege Brett Rheeder sprang ein und borgte Kaiser sein Zweitbike, um den Bewerb fahren zu können. Zwei Abflüge in derselben Kurve beendeten ihn aber auch wieder recht bald.

Zum Abschluss krönte sich der Kaiser selbst – als King of Whip-off beim Crankworx Rotorua.
Foto: Jonny Kielhorn

Trotzdem war Kaiser ein krönender Abschluss vergönnt. Beim Whip-off konnte der Außerferner zeigen, was in ihm steckt. Keiner segelte schöner quer durch den nächtlichen Himmel über Neuseeland: Gold für Peter Kaiser. Der freute sich über das "Podestplatzerl" und trat nach 3.602 Kilometern Roadtrip und finalem "Touri-Kram in und um Auckland" rundum zufrieden die Heimreise an.

Als Landschaftsfotograf versucht sich Kaiser auch hinter der Linse.
Foto: Peter Kaiser

Zurück zu Hause ist Kaiser nun voller Tatendrang. Bei seinen Reisen nach Neuseeland und Kanada habe er gesehen, was möglich ist in Sachen Mountainbikesport: "Wir hätten hier sehr ähnliche Voraussetzungen in Innsbruck, das Potenzial ist riesig." Daher will der 23-Jährige aktiv mithelfen, diese Möglichkeiten zu nutzen. Er war bereits in die Entstehung des neuen Dirtparks von "Ride in Pleasure BMX" im Osten Innsbrucks involviert. Dort trainiert er auch regelmäßig.

Mehr Möglichkeiten für die heimische Szene

Aktuell arbeitet er mit einer Gruppe motivierter Slopestyler und Freerider daran, den Crankworx-Slopestyle-Kurs im Bikepark Mutters, der brachliegt, weil die Veranstaltung heuer wegen des Coronavirus abgesagt werden musste, zu reaktivieren. "Unser Ziel ist es, hier einen Treffpunkt für die Community zu etablieren", erklärt er die Absicht hinter ihrem Engagement. Dadurch sollen vor allem auch für den Mountainbike-Nachwuchs legale Trainingsplätze entstehen. "Die Kids, die nun nachkommen, sind unglaublich gut drauf", weiß Kaiser. Biete man ihnen nun adäquate Sportstätten, prophezeit er dem Mountainbikesport in Österreich eine goldene Zukunft.

Die Schwierigkeiten, mit denen junge Athleten dieses Sports hierzulande oft zu kämpfen haben, kennt der Reuttener nur zu gut. Seinen eigenen Trainingsspot, den er sich mit Freunden in jahrelanger harter Arbeit selbst aufgebaut hatte und der vor Ort stillschweigend geduldet wurde, musste er nach Intervention eines allzu aufmerksamen rechtschaffenen Bürgers abreißen. Das STANDARD-Tretlager berichtete.

Halb Athlet, halb Filmer

Kaiser selbst hat sich ganz dem Biken verschrieben: "Ich bin zu 50 Prozent Athlet, und zu 50 Prozent arbeite ich in der Filmbranche." Bei der Innsbrucker Firma Distillery zeichnet er unter anderem für die Audi-Nines-Serie mitverantwortlich, was Course-Design und Medienproduktion angeht. Diese Mischung aus Job und Spitzensport biete ihm viele Entwicklungsmöglichkeiten: "Ich kann Kontakte in der internationalen Szene knüpfen und habe fast zu viele Optionen als zu wenige."

Sportlich hat der Außerferner noch viel vor. Im Vorjahr wollte er eigentlich beim Rampage-Qualifyer-Event "Proving Grounds" an den Start gehen. Neben Youtube-Star Fabio Wibmer und Fest-Series-Veteran Clemens Kaudela ist Kaiser somit der dritte österreichische Aspirant, der beim wichtigsten Freeride-Bewerb der Welt antreten will. 2019 machte ihm der Terminkalender einen Strich durch die Rechnung: "Es war zeitlich zu knapp mit dem Nine Knights, daher musste ich passen." Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Kritischer Beobachter

Bei allen sportlichen Ambitionen ist Kaiser auch einer, der sich Gedanken über die Zukunft des Sports und seine Rolle macht. So sieht er den Konzern Red Bull, der einer der wichtigsten Sponsoren in der Bikebranche ist, mit gemischten Gefühlen: "Als Partner ist mit Red Bull sehr viel möglich, weil sie eine Medienschiene haben, die einem Sportler unglaubliche Reichweite verschaffen kann." Ob er selbst Red-Bull-Athlet werden wolle, wie so viele in der Szene? "Ich weiß nicht, ob ich einen Helm von ihnen tragen wollen würde. Ich weiß nicht, ob ich das verkörpere", sagt Kaiser.

Heuer wird er sich ohnehin – nicht zuletzt wegen der unklaren Situation, was Auslandsreisen angeht – auf Aktivitäten in Tirol konzentrieren. Unter dem Titel "Sommer daheim" sollen langgehegte Videopläne endlich umgesetzt werden. "Ich würde gerne eine Gravity-Schiene am Enduro-Bike machen. Schauen, was möglich ist. Und ein Street Edit in Innsbruck drehen steht auch schon lange auf der To-do-Liste", sagt Kaiser. (Steffen Arora, 12.6.2020)