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Foto: REUTERS ATTENTION EDITORS/SCHOTTAG

Rom/Berlin – Deutschland, Italien, Frankreich und die Niederlande haben mit dem Pharmakonzern AstraZeneca einen Vertrag zur Versorgung der Europäer mit einem Impfstoff geschlossen. Das teilt der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza via Facebook mit. Demnach geht es um Hunderte Millionen Dosen des Impfstoffs, den das Unternehmen gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt.

Die ersten Dosen sollen bis Ende des Jahres erhältlich sein, erläuterte Speranza. Auch das deutsche Gesundheitsministerium bestätigte, die Entwicklung eines Impfstoffs könnte im günstigen Fall schon Ende des Jahres abgeschlossen sein. Profitieren sollen alle EU-Staaten, die dabei sein wollen. Die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt.

Impfallianz für Europa

Die vier Staaten haben sich nach Angaben des deutschen Gesundheitsministeriums zu einer Impfallianz zusammengeschlossen und sind mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an aussichtsreichen Impfstoffen forschen. "Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssen Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden", hieß es weiter. Bei einer Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister am Freitag sei zudem vereinbart worden, die Aktivitäten der Impfallianz mit denen der EU-Kommission zusammenzuführen.

Russland will Impfstoff-Produktion im Herbst beginnen

Russland will indessen nach eigenen Angaben im September mit der Massenproduktion eines Impfstoffs gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 starten. Nach den derzeitigen klinischen Tests an Freiwilligen sei die Zulassung des Medikaments im August geplant, sagte Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa am Samstag der Staatsagentur Tass zufolge. Im September könne der Impfstoff in die großtechnische Produktion gehen.

Bereits im Mai erklärte das staatliche Gamalaja-Institut einen Impfstoff entwickelt zu haben der eine Immunität gegen Corona erzeugt – ohne negative Nebenwirkungen, wie Institutsdirektor Alexander Ginsburg sagte. Demnach hatten Wissenschafter den Stoff an sich selbst und an Tieren getestet. Eine Studie zu dem anscheinend in Rekordzeit entwickelten Impfstoff haben die Forscher bisher nicht vorgelegt. Es gibt deshalb keine unabhängige Bewertung der Aussagen von Regierung und Wissenschaftern. (APA/Reuters, 13.6.2020)