Machthaber Kim Jong-un und seine Schwester Kim Yo Jong.

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Pjöngjang – Nordkorea will nach Aussage der Schwester von Machthaber Kim Jong-un militärisch gegen Südkorea vorgehen. "Ich fühle, dass es höchste Zeit ist, mit den südkoreanischen Behörden zu brechen. Wir werden bald die nächste Aktion in Angriff nehmen", sagte Kims einflussreiche Schwester Kim Yo-jong am Samstag in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung.

Mit Genehmigung ihres Bruders, der Partei und des Staates habe sie "die mit den Angelegenheiten des Feindes beauftragten Behörden angewiesen, entschlossen die nächste Aktion vorzunehmen". Das "Recht zur Durchführung der nächsten Aktion" liege "beim Generalstab unserer Armee".

Möglicherweise Angriff auf Verbindungsbüro

Kim nannte keine Details zu der geplanten Militäraktion. Offenbar spielte sie aber auf eine mögliche Zerstörung des gemeinsamen koreanischen Verbindungsbüros in der Grenzstadt Kaesong an. "In Kürze wird eine tragische Szene des komplett eingestürzten, nutzlosen Nord-Süd-Verbindungsbüros zu sehen sein", hieß es demnach in ihrer Erklärung.

In Seoul beriet am Sonntag der nationale Sicherheitsrat über die Eskalation.

Zuletzt rumorte es

Hintergrund sind Sendungen mit Medikamenten, Lebensmitteln und gegen die nordkoreanische Regierung gerichteten Flugblättern, die südkoreanische Aktivisten meist per Ballon oder als Flaschenpost im Meer über die Grenze in den Norden schicken.

Die Regierung in Seoul hat rechtliche Schritte gegen die Aktivisten eingeleitet, nachdem Nordkorea unlängst Kommunikationskanäle in den Süden geschlossen hatte. Südkorea versucht, die Flugblatt- und Lebensmittel-Aktionen zu unterbinden, um die Beziehungen zum Norden zu verbessern. Das Vereinigungs- und das Verteidigungsministerium in Seoul riefen Nordkorea auf, die Vereinbarungen einzuhalten. Südkoreas Militär sei bereit, auf alle Situationen zu reagieren.

Spannungen verschärft

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben sich vor dem 20. Jahrestag des ersten Gipfeltreffens beider Staaten verschärft. Am 15. Juni 2000 hatten Kim Jong-il, der damalige Machthaber Nordkoreas und Vater von Kim Jong-un, und der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae-jung eine Erklärung über eine engere Zusammenarbeit und verstärkten Dialog unterzeichnet.

2018 erklärten sich beide Staaten bereit, sich für die vollständige Entnuklearisierung der Halbinsel einzusetzen und feindliche Handlungen einzustellen. Allerdings sind die Gespräche darüber festgefahren. Die beiden Staaten haben nach Ende des Korea-Kriege (1950 bis 1953) zwar einen Waffenstillstand geschlossen, befinden sich formell aber noch immer im Krieg. (APA, 13.6.2020)