Wann die meist riskanter veranlagten Vermögen der Superreichen wieder Fahrt aufnehmen, ist derzeit noch ungewiss.
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Die Entwicklung des weltweiten Privatvermögens hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als sehr widerstandsfähig erwiesen. Weder die geplatzte Internetblase der Jahrtausendwende noch die Finanz- oder die Eurokrise bremsten den Aufbau nachhaltig, sodass Ende des Jahres die sagenhafte Summe von 226 Billionen US-Dollar privaten Haushalten zur Verfügung stand. Das entspricht fast einer Verdreifachung verglichen mit 1999, wie aus dem 20. Global Wealth Report der Boston Consulting Group hervorgeht.

Allerdings gibt Anna Zakrzewski, Studienautorin und Partnerin der Beratungsfirma, zu bedenken: "Covid ist wesentlich stärker als die Finanzkrise." Der Rückgang der Wirtschaftsleistung sei größer als damals, die Zunahme der Arbeitslosigkeit stärker. Zudem bringe die Corona-Krise Sachen in Bewegung. "Dinge, die wir vergangenes Jahr noch für unmöglich hielten, haben heuer zu passieren begonnen." Aber was bedeutet dies für die Zukunft?

Kurzfristig erwartet Zakrzewski wegen der Corona-Krise für 2020 bestenfalls einen Stillstand des weltweiten Privatvermögens, wobei die besonders reichen Schichten, also Milliardäre und Millionäre, am stärksten zum Handkuss kommen sollen. Ursache ist ihr höherer Bestand an riskanten Anlagen wie Aktien, die während der Krise besonders unter die Räder gekommen sind. Allerdings sind sie zuvor lange auf einer Welle des Erfolgs gesurft, denn: "Wir erleben seit zehn Jahren einen Bullenmarkt", betont Zakrzewski.

Doppelte Rendite für Reiche

Dieser ließ die globale Vermögensverteilung zugunsten der Reichen kippen: Während im Jahrzehnt bis 2009 alle Vermögensklassen einen ähnlich schnellen Vermögenszuwachs erzielten, galoppierten Personen mit mehr als einer Million Dollar auf der hohen Kante davon: Sie erzielten in der vergangenen Dekade im Mittel eine jährliche Rendite von acht Prozent – doppelt so viel wie bei jenen Menschen, die über weniger als eine Viertel Million Dollar verfügen. Die Schere zwischen den Vermögensschichten ging also deutlich auf. Die Folge: Die weltweit inzwischen 26 Millionen Milliardäre und Millionäre verfügen zusammen mit 51 Prozent über mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens.

Auffallend ist die rasante Aufholjagd der Wachstumsregionen, allen voran in Asien, verglichen mit den gesättigten Märkten, also den einst westlichen Industriestaaten: Deren Anteil am globalen Privatvermögen ist seit 1999 von neun Prozent auf mehr als ein Viertel angestiegen, wobei allein China fast die Hälfte beigetragen hat.

Österreich fällt zurück

Anders gestaltet sich die Entwicklung in Österreich: Mit etwa 900 Milliarden US-Dollar Privatvermögen liegt die Republik auf Rang 26 im Ländervergleich – mit sinkender Tendenz: Vor 20 Jahren lag Österreich noch auf Platz 19. Überraschend hoch ist der Anteil an riskanten Anlagen: Ein Drittel steckt in Aktien und Investmentfonds. "Entgegen der vorherrschenden Meinung zeigt sich, dass die Österreicher dem Aktienmarkt gegenüber aufgeschlossen sind", sagt Zakrzewski. Viele setzen lieber doch auf Nummer sicher, sodass 41 Prozent des Privatvermögens in sicheren Einlagen wie Sparbüchern gebunkert sind. Im Krisenjahr 2020 wohl ein Vorteil, aber wie geht es danach weiter?

Zakrzewski sieht drei mögliche Szenarien, von anhaltendem Stillstand über eine langsame bis zu einer schnellen Erholung – schlimmstenfalls droht bis 2023 Stillstand, bestenfalls wächst die Wirtschaft schon 2021 wie vor Corona. Unabhängig davon, welches Szenario einritt, hat die Boston-Consulting-Expertin zwei Bereiche ausgemacht, die in der Veranlagung profitieren: Digitalisierung, weil sie während der Corona-Krise den Praxistest bestanden habe. Und Nachhaltigkeit, weil sich so gestaltete Anlagen während der Krise um mehr als einen Prozentpunkt besser entwickelten. (Alexander Hahn, 18.6.2020)