In Peking hat man Angst vor einer zweiten Welle an Infektionen.

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Italien, hier der menschenleere Markusplatz zu Venedig, könnte schon früher von Covid-19 betroffen gewesen sein als bisher gedacht.

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Rom/Peking – Das Sars-CoV-2-Virus ist in Italien offenbar schon viel länger aktiv als bisher angenommen. Der Erreger sei in Abwässern der beiden norditalienischen Großstädte Mailand und Turin vom Dezember nachgewiesen worden, heißt es in einer Stellungnahme von Italiens nationalem Gesundheitsinstitut ISS. Offiziell festgestellt worden war der Coronavirus-Ausbruch in Italien erst Mitte Februar.

40 Abwasserproben

Für die ISS-Studie wurden 40 Abwasserproben untersucht, die zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 genommen wurden. Die Ergebnisse wurden von zwei unterschiedlichen Laboren mit unterschiedlichen Methoden bestätigt.

Als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie gilt die chinesische Millionenmetropole Wuhan. Dort wurde das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen festgestellt. Einige Wochen später entwickelte sich Italien und dort insbesondere der Norden zum Epizentrum der Pandemie in Europa. Rund 34.500 Infizierte starben in dem Land.

Mehr Infizierte in Peking

Apropos China: Nach dem neuen Coronavirus-Ausbruch in Peking ist die Zahl der Infizierten weiter gestiegen. Wie die staatliche Gesundheitskommission am Freitag mitteilte, wurden 25 weitere Ansteckungen nachgewiesen. Seit der neue Ausbruch auf einem Großmarkt der chinesischen Hauptstadt am vergangenen Donnerstag bekannt wurde, ist die Zahl der Infizierten damit auf 183 gewachsen. Die neuen Infektionszahlen vom Freitag liegen über denen des Vortags, als 21 Fälle gemeldet wurden, aber unter denen vom Mittwoch, als es noch 31 Infektionen gab.

Neue Viren könnte aus Europa stammen

Die Regierung veröffentlichte indes genetische Sequenzierungsdaten für das Coronavirus, das für den jüngsten Ausbruch in Peking verantwortlich ist. Nach ersten Forschungsergebnissen handle es sich um einen Virenstamm aus Europa, schreibt die chinesische Seuchenschutzbehörde. Er unterscheide sich allerdings von den Viren, die aktuell in Europa kursierten. Zudem sei er älter. Möglicherweise sei das Virus mit Tiefkühlprodukten nach China importiert worden – oder es habe sich in dunklen, feuchten und nicht desinfizierten Ecken wie auf dem Xinfadi-Großmarkt in der Hauptstadt verborgen.

Ben Cowling, Professor für öffentliche Gesundheit an der Universität Hongkong, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei "möglich, dass das Virus, das nun den Ausbruch in Peking verursacht, von Wuhan nach Europa und nun zurück nach China gereist ist". Der Genforscher Francois Balloux vom University College London schrieb auf Twitter, dass das Genom keine Schlussfolgerungen auf die Herkunft des Virus zulasse. Es könnte "im Grunde von überall her stammen".

Peking teilweise abgeriegelt

Als Reaktion auf den neuen Ausbruch riefen die Behörden am Dienstag die zweithöchste Sicherheitsstufe aus, womit Peking teilweise abgeriegelt wurde. Flüge aus und in die Hauptstadt wurden drastisch reduziert. Auch der Busverkehr in andere Provinzen wurde eingestellt. Menschen sollen die Stadt nicht mehr verlassen. Wenn doch Reisen notwendig sind, muss ein negativer Corona-Test vorliegen.

Spende für Italien

Das chinesische Touristenehepaar, das Ende Jänner als erster Infektionsfall in Italien gemeldet und bis zu seiner Genesung in Rom behandelt wurde, hat sich unterdessen dankbar gezeigt: Der 66-jährige Biochemiker und seine 65-jährige Frau aus Wuhan spendeten dem römischen Krankenhaus Spallanzani, in dem sie 49 Tage lang betreut wurden, 40.000 Euro, wie das Spital berichtete.

Das Paar, das während eines Rom-Besuchs am Covid-19 erkrankt war, hatte das auf Infektionskrankheiten spezialisierte Spital am 19. März verlassen – am 30. Jänner war zuvor die Aufnahme der Patienten erfolgt. Die Frau wurde noch einer Rehabilitationstherapie unterzogen, die am 20. April zu Ende ging. Danach konnte das Paar in die Heimat zurückkehren. Die chinesischen Behörden hatten Italien für die liebevolle Behandlung des Paars gedankt.

"Ihr habt uns das Leben gerettet", hieß es in einem Dankesbrief des Paares an das Gesundheitspersonal im Spallanzani-Hospital. "Diese Spende ist eine Geste großer Freigiebigkeit und Wertschätzung. Der Fall des chinesischen Ehepaars, der erste positive Covid-Fall in Italien, wird uns in Erinnerung bleiben", kommentierte der Gesundheitsbeauftragte der Region Latium mit der Hauptstadt Rom, Alessio D'Amato. Er lud die beiden Chinesen dazu ein, die Ewige Stadt wieder zu besuchen. (red, APA, Reuters, 19.6.2020)