Masern gehen mit einem großfleckigen Ausschlag einher, der nach einigen Tagen schuppt. In schweren Fällen kann die Krankheit auch lebensbedrohlich sein. Eine Behandlung, die spezifisch auf Masern zugeschnitten wäre, gibt es nicht – dafür aber eine effektive Vorbeugung durch Impfung.
Foto: AP Photo/Farah Abdi Warsameh

Der genaue Ursprung der Masern ist immer noch ungeklärt. Das auslösende Virus kommt ausschließlich bei Menschen vor, hat aber nahe Verwandte, die für Hundestaupe respektive Rinderpest verantwortlich sind. Bei den Masern dürfte sich also in ihrer Urform um eine Zoonose gehandelt haben, eine Krankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wurde und sich danach weiterentwickelte. Wann und unter welchen Umständen dieser Wirtswechsel stattfand, ist umstritten.

Gestützt auf historische Aufzeichnungen, gingen Wissenschafter bislang zumeist davon aus, dass dies erst im Frühmittelalter geschehen sei. Im Römischen Reich scheinen die Masern noch unbekannt gewesen zu sein. Eine internationale Forschergruppe unter Beteiligung des deutschen Robert-Koch-Instituts berichtet nun jedoch im Fachmagazin "Science", dass die Krankheit deutlich ältere Wurzeln haben dürfte: Sie sollen bis in die Zeit um 600 vor unserer Zeitrechnung zurückreichen.

Vergleichsmaterial

Das Team analysierte für seine Studie ein Präparat aus der Sammlung des Berliner Medizinhistorischen Museums. Es handelte sich um die in Formalin konservierte Lunge eines 1912 an Masern verstorbenen zweijährigen Kinds. Die Forscher konnten daraus ein fast vollständiges Maserngenom rekonstruieren.

Diese Lunge aus dem Jahr 1912 lieferte wertvolle Erkenntnisse.
Foto: Navena Widulin/Berlin Museum of Medical History at the Charité

In einem zweiten Schritt verglichen sie das Masernerbgut von 1912 mit bereits veröffentlichten Genomen verwandter Viren, um zu ermitteln, wann der letzte gemeinsame Vorfahre von Masern- und Rinderpestviren existierte. Das so errechnete Datum entspricht dem frühestmöglichen Zeitpunkt für die Entstehung der Masern.

Günstige Voraussetzungen

Die Entwicklung der Krankheit dürfte laut den Forschern mit dem soziokulturellen Wandel im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zusammenhängen – einer Zeit, die durch Bevölkerungswachstum und die Entstehung großer Städte in Europa und Asien gekennzeichnet war.

Das Masernvirus könnte nicht fortbestehen, wenn es keine großen, miteinander verbundenen menschlichen Populationen gäbe. Eine ausreichende Bevölkerungsdichte gab es der Studie zufolge aber sehr wahrscheinlich nicht vor dem sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Die Forscher halten das aus den Genomanalysen erstellte Szenario deshalb für plausibel. (red, APA, 20. 6. 2020)