Die weltweit bekannte Reismarke Uncle Ben’s und die vor allem in den USA verbreiteten Frühstücksprodukte Aunt Jemima bekommen nach mehr als 100 Jahren ein neues Gesicht. Es ist ein längst überfälliger Schritt und Schlusspunkt unter der jahrhundertelangen Praxis, Marketing mit Bildern zu machen, die von Unterdrückung, Vorurteilen und Demütigung zeugen.

Die lachenden Gesichter der Schwarzen Menschen, die auf den Verpackungen dieser und anderer Lebensmittel weltweit, aber vor allem in den USA zu sehen sind, reichen in eine Zeit zurück, als weiße Südstaatler das Propagandabild des glücklichen Sklaven kreierten. Damit sollte die grausame Institution der Sklaverei ein menschliches Angesicht bekommen.

Die vor allem in den USA verbreiteten Frühstücksprodukte Aunt Jemima bekommen nach mehr als 100 Jahren ein neues Gesicht.
Foto: AP Photo/Ashley Landis

Das prominenteste Beispiel ist die fiktive Figur des Jim Crow, die der ganzen Periode, in der die sogenannten Rassengesetze herrschten, ihren Namen "Jim-Crow-Ära" gab. Es handelt sich um das Stereotyp eines fröhlichen, zufriedenen, etwas dümmlichen, tanzenden und singenden Schwarzen, der durchaus ein stehlendes und betrügendes Schlitzohr sein konnte. Eine Crow, eine Krähe eben.

Stereotypen

Dazu gehört auch das Klischee der "Mammy", der mütterlichen, groben und meist fettleibigen schwarzen Frau, die "ihre" weiße Familie liebte und ihr aus reiner Liebe diente. Unternehmen, die über ein Jahrhundert lang mit diesen Stereotypen und herablassenden Bezeichnungen wie "Uncle" oder "Aunt" ihre Produkte bewarben, verfälschten die lange Geschichte der Unterdrückung weiter. Sie unterstützten das Narrativ der weißen Sklavenhändler von der "guten alten Zeit", in der die "Rassenordnung" herrschte und rechtschaffene Weiße ihre Sklaven behandelten, wie man Sklaven eben zu behandeln hatte.

Auch wenn Tante Jemimas Gesicht auf den Frühstücksprodukten immer weißer wurde und ihr klassisches Kopftuch der Sklavinnen verschwand, bleibt das Sujet eine Reproduktion rassistischer Bilder und Praktiken, die keiner Marke gut zu Gesicht stehen. Die Zeiten ändern sich und damit auch die Ansprüche der Konsumenten. Das haben die Konzerne hinter Uncle Ben’s und Aunt Jemima endlich erkannt. Ihnen werden wohl viele andere Marken folgen.

Und bald verschwinden vielleicht auch in Österreich die letzten Reste der Figur des dienenden Mohren von Julius Meinl und das offen rassistische Logo der Vorarlberger Mohrenbrauerei. Zeit wird’s. (Olivera Stajic, 21.6.2020)