Menschen, die eine Corona-Infektion hinter sich haben, haben Antikörper im Blutplasma. Sie können Schwerkranken helfen. In einer Spendenaktion will man Plasma von Genesenen sammeln und einfrieren, damit es als Therapieoption zur Verfügung steht.

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Wer eine Corona-Infektion durchgemacht hat, hat Antikörper im Blut. Diese Antikörper können schwer erkrankten Covid-19-Patienten das Leben retten, weil sie die Vermehrung des Virus im Körper stoppen. "Es ist eine bewährte Therapie, die seit mehr als 100 Jahren auch bei anderen viralen Erkrankungen angewendet wird", sagt Transfusionsmediziner Dieter Schwartz von der Med-Uni Wien und fordert im Namen der Österreichischen Ärztekammer alle ehemaligen Sars-CoV-2-Infizierten zum Plasmaspenden auf.

Bei 35 Patienten wurde diese Therapie erfolgreich angewendet. "Besonders viele Antikörper haben jene Genesene, deren Infektion mit Fieber verlaufen ist", berichtet Christof Jungbauer von der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes. In Österreich gibt es 16.000 amtlich zertifizierte Sars-Cov-2-positiv Getestete. Gesucht würden Männer, die ihren positiven PCR-Test oder Antikörpertest vorweisen können.

Frauen können spenden, sofern sie nicht schwanger sind. Die Corona-Infektion sollte 28 Tage zurückliegen, da dann genügend neutralisierende Antikörper im Blut sind. Spenden sind an transfusionsmedizinischen Instituten der Unis in Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg sowie beim Österreichischen Roten Kreuz/Blutspendedienst sowie bei Plasmapherese-Instituten möglich.

Baustein in der Pandemiebekämpfung

"Bitte spenden Sie Ihr Plasma", sagte Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer. Plasmaspenden haben laut Szekeres in Österreich schon Leben von Covid-19-Erkrankten gerettet – wie das eines Patienten in Graz, der keine Antikörper bilden konnte. "Eine Wunderheilung ist es nicht", erläuterte Gerda Leitner von der Uniklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin der Med-Uni Wien. Im Wiener AKH sind laut Schwartz zwei Patienten trotz Plasmagabe gestorben, diese hatten jedoch zuvor schon irreversible Lungenschäden. Daher sei es wichtig, die Therapieoption so frühzeitig wie möglich anzuwenden.

Die Plasmatherapie ist eine bewährte Strategie in Pandemien, die unter anderem auch schon während der Ebola-Krise viele Menschenleben gerettet hat. "Plasmaspenden sollte unbedingt ein Baustein in den Pandemieplänen sein, auch auf internationaler Ebene", betont Schwartz. Genesene Sars-CoV-2-Infizierte können sich in Wien am AKH unter der Telefonnummer 40400/53030 melden. Die Transfusionsmediziner setzen auf die Hilfsbereitschaft der Menschen, die eine Infektion hinter sich haben. Nachsatz: Die eigene Immunabwehr leidet durch eine Spende nicht. (pok, APA, 22.6.2020)