Juni in Sibirien.

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Moskau – Russlands oberster Wetterfrosch Roman Wilfand spricht von "anormaler Hitze". Der Chef des russischen Wetterdienstes sagt dem Norden Sibiriens in der laufenden Woche Temperaturen von 25 bis 28 Grad Celsius voraus.

Konkret handelt es sich um die arktischen Gebiete der öl- und gasreichen Region Krasnojarsk sowie der Diamanten-Republik Jakutien. Die von Wilfand genannten Werte liegen zehn bis zwölf Grad über den langjährigen Durchschnittswerten. Grund der Hitze ist ein Hochdruckgebiet, das sich über der Region breitgemacht hat. Sollte der Antizyklon noch eine Woche verweilen, steige die Gefahr von Waldbränden deutlich, warnte Wilfand.

Besonders krass gestaltet sich die Lage in der Ortschaft Werchojansk, die gemeinsam mit dem ebenfalls in Jakutien liegenden Örtchen Oimjakon Anspruch auf den Titel des bewohnten Kältepols der Erde erhebt, nachdem dort 1892 weniger als minus 67 Celsius gemessen wurden. Am Sonntag stiegen die Temperaturen dort auf 38 Grad plus. Damit hält Werchojansk jetzt auch den Rekord für die größte Temperaturamplitude.

Maximalwerte erst im Juli erwartet

Prinzipiell sind Temperaturen über 30 Grad wegen des stark kontinentalen Klimas im Sommer keine Überraschung. Doch die Hitze kommt zu früh. Eigentlich sollten solche Maximalwerte erst im Juli erreicht werden.

Laut Experten sind die derzeitigen Rekordtemperaturen in der gesamten russischen Arktis ein Anzeichen für die Beschleunigung der Klimaerwärmung. Eigentlich hatten die Wetterforscher mit solchen Werten erst für das Jahr 2100 gerechnet. Der Klimawandel habe sich damit 80 Jahre schneller als gedacht vollzogen.

Schon seit Jahren ist die Eis- und Schneelandschaft der Arktis auf dem Rückzug. Dies führt zu Problemen: In den vergangenen Wintern machten so Eisbären Schlagzeilen, die in Ortschaften eindrangen. Zugleich ist das Ökosystem in der Region stark gefährdet. Zuletzt hatte eine Ölhavarie in Norilsk massive Verschmutzungen hervorgerufen. (André Ballin aus Moskau, 22.6.2020)