Ganz ohne Publikum musste Apple-CEO Tim Cook die Neuerungen bei iOS, macOS und Co vortragen.

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Ganz ohne Publikum wurde am Montagabend Apples Entwicklerkonferenz WWDC eröffnet. CEO Tim Cook nutzte die Keynote anfangs dafür, um über Rassismus und den Tod von George Floyd zu sprechen. Die Welt müsse sich hierbei verbessern und Stereotype aus der Welt schaffen. Auch das Coronavirus fand Erwähnung: Cook bedankte sich bei allen Menschen, die in dieser Zeit hart arbeiten, und kündigte zugleich an, dass alle Events der Entwicklerkonferenz online stattfinden.

Hier der ganze Event im Livestream.
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iOS 14 mit neuem Homescreen

Im nächsten Schritt wurde iOS 14 vorgestellt, das eine nicht unbedeutende Änderung für den iPhone-Homescreen bringt: Widgets. Zugleich wurde eine neue Ansicht für Apps präsentiert. In der App-Library werden alle Programme gesammelt angezeigt. Das iPhone nimmt die Ordnung selbst vor. Der Nutzer kann die Übersichtsseiten des iPhones zudem selber gestalten und ausblenden.

Siri wird gescheiter und übersetzt

Auch ein Picture-in-Picture-Modus für das iPhone wurde angekündigt. Videos können somit abgespielt werden, während man sich am Homescreen oder in einer App befindet. Ferner wird Siri schlauer. Die Sprachassistentin soll künftig etwa bei der Übersetzung ganzer Konversationen helfen. Dafür liefert Apple eine neue App namens "Translate", die dabei zum Einsatz kommen soll.

Verbessertes iMessage und Apple Maps

Die iMessage-App soll nun auch eine bessere Übersicht bieten. Konversationen können gepinnt werden oder auf Nachrichten in Gruppenchats mit "Mentions" spezifisch geantwortet werden. Apple Maps erhält die Funktion, dass Orte zum Shoppen, Ausgehen oder Besuchen empfohlen werden. Die Karten-Applikation bringt nun endlich auch Navigation für Radfahrer – allerdings vorerst nur für ausgewählte Städte wie San Francisco und Peking.

Das iPhone kann künftig Autos entsperren.
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Das iPhone wird zum Autoschlüssel

Das iPhone wird ferner zum Autoschlüssel. Bestimmte Fahrzeuge können künftig mit dem Smartphone entsperrt und gestartet werden. Ein Zugang kann mit Freunden per iMessage geteilt werden. Vorgezeigt wurde die Funktion mit einem BMW – ab dem nächsten Jahr will man einen Standard schaffen, der von mehreren Herstellern unterstützt wird. Das Autoschlüssel-Feature soll bereits in iOS 13 landen.

App Clips bringt Light-Version von Software

Mit App Clips hat man ferner Googles Instant Apps als Inspiration genommen. iOS 14 bringt die Option, dass man eine App ohne Download nutzen kann. Diese "Clips" bieten eine Art Light-Version, die sich auf das Wesentliche beschränkt. Die Software kann direkt im Web genutzt werden. Diese Vorabversionen sind weniger als zehn Megabyte groß und bieten die Möglichkeit, dass die Vollversion auch sofort heruntergeladen werden kann.

Neuer Homescreen, Widets und Instant Apps zählen zu den spannendsten Neuerungen bei iOS 14.
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Keine invasiven Anrufe mehr

Das war es auch schon mit den Neuerungen für iOS 14. Auch iPad OS 14 erhält Widgets, wie bei der Keynote angekündigt wurde. Zudem wird die Musik- und Foto-App verbessert und an den großen Bildschirm des iPad angepasst. Während der Vorstellung des iPad-Betriebssystems wurde auch eine Neuerung bei eingehenden Anrufen sowohl für iPad OS als auch iOS präsentiert: Diese nehmen nun nicht mehr den ganzen Bildschirm ein. Das iPad erkennt ferner Handschrift und wandelt diese in Text um.

Airpods Pro werden intelligenter

Apples Airpods werden nun auch intelligenter. Die Kopfhörer wechseln automatisch zwischen den Geräten – je nachdem, woher gerade der Ton kommt. Die Airpods Pro erhalten zudem ein Feature namens "Spatial Audio". Die Funktion soll einen verbesserten räumlichen Klang bringen. Unterstützt werden unterschiedliche Formate, darunter auch Dolby Atmos.

Die Apple Watch trackt nun Schlaf und ob man sich ordentlich die Hände wäscht.
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Apple Watch hilft beim Schlafen und Hände waschen

Auch die Apple Watch bekam ihren Auftritt. Watchfaces können künftig mit anderen Nutzern geteilt werden. Die Navigation mit der Smartwatch wird mit watchOS verbessert. Fitness-Tracking wurde zudem mit weiteren Aktivitäten wie Tanzen oder Core-Training ausgestattet. Künftig kann mit der Uhr auch der Schlaf aufgezeichnet werden. Die Smartwatch soll einerseits beim Einschlafen, aber auch beim Aufwachen helfen. Zuletzt soll die Uhr auch sicherstellen, dass man lange genug seine Hände wäscht.

Fokus auf Privatsphäre und Datenschutz

Apple betonte, dass Privatsphäre und Datenschutz dem Unternehmen ein großes Anliegen seien. Beide Prinzipien sollen in die Software und Hardware einfließen. Ein Vorstoß ist etwa "Sign In with Apple" – eine Login-Möglichkeit, bei der Privatsphäre im Fokus steht. Die Betriebssysteme des Herstellers sollen künftig weniger Daten an Entwickler weitergeben. Auch die User erhalten künftig eine Übersicht darüber, welche Infos sie bei der verwendeten Software überhaupt teilen.

Apples Homekit wird schlauer.
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Verbesserungen bei Apple Homekit

Beim Thema Smarthome geht Apple nun ungewöhnliche Kooperationen ein: So wird mit Amazon und Google zusammengearbeitet, um Apples Smarthome-API Homekit zu verbessern. Homekit-Kameras erhalten Gesichtserkennung, sodass Nutzer automatisch darüber benachrichtigt werden, wer gerade an der Tür geläutet hat. Auch die Steuerung von Lichtern soll verbessert werden und vermehrt KI zum Einsatz kommen.

"Big Sur" heißt das neue Mac-Betriebssystem.
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MacOS "Big Sur" vor allem mit visuellen Änderungen

Im Vorfeld des Events sickerten überraschend wenig Infos zu macOS durch. Die nächste Version des Mac-Betriebssystems heißt "Big Sur" und bringt vor allem visuelle und audiovisuelle Neuerungen. So soll das User Interface von macOS an zahlreichen Stellen überarbeitet werden – der Finder sowie App-Icons sind davon etwa betroffen. Auch die hauseigenen Apps werden hinsichtlich des Designs neu aufgestellt. Neu dabei ist auch das Kontrollzentrum, das iPhone-Nutzer bereits kennen.

So sieht das neue macOS aus.
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Safari kann mit Chrome-Erweiterungen umgehen

Neben den visuellen Verbesserungen erhält der Mac auch die Möglichkeit, dass man künftig Widgets verwenden kann. Die Desktop-Versionen von iMessage und Apple Maps werden zudem hinsichtlich ihrer Funktionalität deutlich verbessert. Mac Catalyst, also die Möglichkeit, iPad-Apps auf den Mac zu bringen, wird aufgewertet. Hier können Entwickler nun auf mehr Funktionen und Schnittstellen zugreifen. Ein Update bekommt auch Safari spendiert: Der Browser soll schneller und stromsparender werden und beim Thema Privatsphäre verbessert werden. Erweiterungen für andere Browser sind nun auch von Safari nutzbar.

Intel als CPU-Ausrüster ist bei Macs tatsächlich Geschichte.
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Der Abschied von Intel ist tatsächlich passiert

Mit den Worten, dass dies ein historischer Tag sei, eröffnete Cook den nächsten Abschnitt der Präsentation. Tatsächlich wagt Apple einen großen Schritt und verabschiedet sich nach Jahren von Intel als CPU-Ausstatter Bei seinen mobilen Geräten setzt Apple bereits auf eigene Prozessoren, nun soll auch der Mac mit hauseigener Hardware laufen. Apple verspricht eine CPU mit hoher Performance und geringer Leistungsaufnahme.

Der große Umstieg wurde länger vorbereitet

Der große Schritt wurde bereits länger vorbereitet. Die hauseigenen Applikationen laufen schon auf den neuen Rechnern. Software von Microsoft und Adobe wird ebenso unterstützt. Demonstriert wurde etwa, wie Office, Lightroom, Excel, Final Cut Pro und Photoshop auf einem Mac mit Apple-Prozessor laufen. Apps für iOS und iPad OS sollen zudem ganz einfach für den Desktop portiert werden. "Rosetta 2" soll zuletzt sicherstellen, dass auch wirklich sämtliche bisherige Software auf dem Mac funktioniert.

Die ersten Macs mit Apple-Prozessor bereits heuer

Bereits heuer sollen die ersten Apple-Rechner mit eigenem Prozessor ausgeliefert werden. In den nächsten zwei Jahren soll dann bei allen Produkten der Umstieg passiert sein. Bestehende Macs mit Intel-Hardware sollen übrigens noch jahrelang mit Updates versorgt werden. Welche Rechner zuerst bedient werden, verriet Cook nicht. Weitere Hardware wurde ebenso nicht enthüllt. (Daniel Koller, 22.6.2020)