Ein starkes Zeichen der Solidarität.

Foto: Reuters/ John David Mercer-USA TODAY Sports

Übermannt von seinen Gefühlen ließ Bubba Wallace seinen Tränen freien Lauf. Das komplette Fahrerlager und die Crews hatten sich in der Boxengasse des Talladega Superspeedway aufgestellt, das Wallace-Auto mit der Nr. 43 gemeinsam an die Spitze der Aufstellung geschoben und den tief berührten 26-Jährigen innig umarmt – ein deutliches und wichtiges Zeichen gegen Rassismus, nachdem einen Tag zuvor in der Box des einzigen schwarzen Fahrers der NASCAR-Rennserie ein Galgenstrick gefunden worden war.

"Die Sterne standen heute nicht ganz günstig für mich, aber alles in allem haben wir gewonnen", sagte Wallace nach dem Rennen, das er als 14. beendete, zutiefst gerührt. "Es tut mir leid, dass ich meine Maske nicht trage... aber nach gestern wollte ich es demjenigen, der es war, zeigen, dass er mir mein Lächeln nicht nehmen wird. Ich werde weitermachen."

Wallace hatte zuletzt erfolgreich darauf gedrängt, dass die bei NASCAR-Fans beliebte, allerdings als Symbol für Sklaverei und Rassismus geltende Konföderierten-Flagge bei Rennen verboten wird. Die NASCAR ist vor allem bei der weißen amerikanischen Mittelschicht hochpopulär.

Nach dem rassistischen Vorfall in der Box am Sonntag hatten sich das FBI und die Abteilung für Bürgerrechte des Justizministeriums eingeschaltet. "Unabhängig davon, ob Anklage erhoben werden kann, hat diese Art von Handlung keinen Platz in unserer Gesellschaft", hieß es in einer Erklärung von Jay Town, US-Bundesanwalt für den Norden von Alabama.

Bereits 2015 hatten die NASCAR-Direktoren die Flagge nach dem Mord an neun schwarzen Amerikanern in einer Kirche in Charleston als ein "beleidigendes und entzweiendes" Symbol bezeichnet, diese aber nicht verboten. Die Südstaaten sind ein historisches Epizentrum der Rassenkonflikte in den USA. Auch in Alabama, wo am Montag das Rennen ausgetragen wurde, hatte der Ku-Klux-Klan immer wieder mit gewalttätigen Angriffen gegen Schwarze und Bürgerrechtler Angst und Schrecken verbreitet.

Lichtblick und Hoffnung

Am Montag sorgten alle Beteiligten der NASCAR-Serie jedoch für große Lichtblicke und machten Hoffnung für die Zukunft der Traditions-Rennserie. "Der Sport verändert sich", sagte Wallace. Sein Teambesitzer Richard "The King" Petty, der seit dem Ausbruch des Coronavirus zuvor bei keinem Rennen an der Strecke war, reiste extra nach Talladega, um Wallace persönlich zu unterstützen. "Ich stehe Seite an Seite mit Bubba, gestern, heute, morgen und jeden weiteren Tag", betonte der 82-Jährige.

Der Galgenstrick in der Box seines Fahrers sei "eine schmutzige Tat, die als Erinnerung daran dient, wie weit wir noch gehen müssen, um die Rassenvorurteile auszumerzen", sagte Petty. Zuvor hatten mehrere NASCAR-Fahrer unterstützende und aufmunternde Nachrichten mit dem Hashtag #IStandWithBubba ("Ich stehe zu Bubba") getwittert.

Trotz der widerlichen Geschehnisse am Wochenende ist eines sicher: Wallace wird sich von dieser feigen Tat nicht unterkriegen lassen und weiter gegen Rassismus kämpfen. "Das wird mich nicht brechen. Ich werde nicht nachgeben, noch werde ich klein beigeben", hatte Wallace bereits am Sonntag gesagt – und die NASCAR-Welt tut es ihm gleich. (sid, 23.6.2020)