DER STANDARD

Lange drum herumzureden hat keinen Sinn. Firmenchef Rudolf Berger kommt bei "STANDARD mitreden" gleich zur Sache: "Die Bilder sind furchtbar, sie tun weh, und ich möchte mich dafür entschuldigen."

Die Bilder sorgten tatsächlich für Empörung: Während Berger-Schinken auf seiner Homepage damit wirbt, dass die Schweine für die eigene Produktion "garantiert" genug Auslauf, Heu und Platz hätten, zeigt ein Video vom Verein gegen Tierfabriken (VGT), wie die Realität in einem der Zulieferbetriebe aussieht. In dem vergangene Woche veröffentlichen Video sind verletzte Schweine, unter anderem mit abgebissenen Schwänzen und Ohren, zu sehen, weil die Tiere zu beengt leben und ihnen aufgrund des Platzmangels langweilig ist. Dazwischen liegen verwesende Kadaver.

Im STANDARD-Talk stellte sich Berger der Debatte: Ist das ein Einzelfall oder System in Österreich, wo waren die Kontrollen in dem Stall? Was müssen Landwirte ändern, und welche Rolle haben Konsumenten – tragen sie gar eine Mitschuld, weil Fleisch billig sein muss? Über all das diskutierte Berger mit dem Initiator des Tierschutzvolksbegehrens, Sebastian Bohrn Mena.

Betrieb mit Gütesiegel

Berger schilderte unter anderem, dass der besagte Zulieferer mit dem AMA-Gütesiegel ausgestattet war, aber offenbar alle Kontrollen versagt haben. Aufgabe des Landwirtes wäre es gewesen, auf Gesundheit der Tiere zu achten und kranke Tiere abzusondern.

Berger wollte auch eines klarstellen: Die grauenhaften Szenen seien nicht repräsentativ für die Art und Weise, wie Schweine in Österreich gehalten werden. Berger: Ob ein paar Schweine auf der Wiese oder tausende Tiere im Stall auf Vollspaltböden leben, bei richtigem Managament durch Landwirte könne man Tierleid vermeiden.

An dieser Stelle widersprach Bohrn Mena: Der Fall verdeutliche die groben Fehler im System. "Wer Tiere ausbeutet, macht den größten Profit", so Bohrn Mena. Vollspaltenböden gehören verboten, die Schweine bräuchten mehr Platz und Licht als aktuell vorgeschrieben. Aber mit dem Finger auf einzelne Unternehmer oder Landwirte zu zeigen bringe nichts, es brauche einen Systemwandel.

Bohrn Mena sagt auch, dass es nicht die primäre Aufgabe der Konsumenten sei, für vernünftige Zustände in der Landwirtschaft zu sorgen.

Schuld des Konsumenten?

Warum? Die Antwort gibt es im Talk. Dort beschreibt er auch, was sich generell in der Landwirtschaft ändern müsse und wer die großen Blockierer sind. Berger erklärt, warum es falsch ist, Landwirte als Tierquäler hinzustellen, woher er seine Schweine bezieht und was er nun konkret ändern möchte. Außerdem diskutierten die zwei über den Corona-Fälle beim deutschen Schlachtbetrieb Tönnies. Sind die Arbeitsbedingungen auch in Österreichs Fleischindustrie so schlimm wie in Deutschland? (Video: Ayham Yossef, Redaktion: András Szigetvari, 25.6.2020)