Die Seenotretterin sieht bei den EU-Behörden strukturellen Rassismus. Diese orten "vorsätzliche Unkenntnis der Fakten" unter den Aktivisten.

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Rom – Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Behörden der EU und der EU-Staaten in der Migrationspolitik Rassismus vorgeworfen. Zum Jahrestag ihrer unerlaubten Einfahrt mit Migranten in einen italienischen Hafen sagte sie: "Ich hatte das Gefühl, dass wir nicht nur zum Retten auf See sein mussten, sondern auch als Zeichen des Widerstands gegen den strukturellen Rassismus der europäischen Behörden."

Dieser sei in der EU ebenso ein Problem wie in den USA. Über die EU-Grenzschutzagentur Frontex sagte die Deutsche: "Das ganze Konzept dieser Agentur besteht darin, die rassistische Grenzpolitik der europäischen Staaten durchzusetzen."

Streit mit Salvini schlug Wellen

Rackete war am 29. Juni 2019 mit 40 Migranten an Bord in den Hafen von Lampedusa eingefahren, obwohl die italienische Regierung dies verboten hatte. Sie wurde vorübergehend festgenommen. Der Streit mit dem damaligen Innenminister Matteo Salvini schlug hohe Wellen, Rackete wurde bei vielen zum Sinnbild der Menschlichkeit.

Dass sie und andere Retter als Helden dargestellt würden, sei "eine zutiefst problematische Erzählung", sagte Rackete. Sie entziehe den Geretteten "das Rampenlicht und schafft fälschlicherweise die Illusion, dass manche Menschen einzigartig oder anders sind". Sie wolle nicht im Mittelpunkt stehen. "Es ist nicht nötig, dass eine Weiße als vermeintliche 'Stimme der Stimmlosen' die Bühne betritt."

Frontex wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Frontex hilft, die Grenzen für Hunderte von Millionen Menschen in ganz Europa zu sichern, und in den vergangenen Jahren haben wir dazu beigetragen, Hunderttausende von Menschenleben auf See zu retten", sagte ein Sprecher. Eine Handvoll Seenotrettungsaktivisten würde sich nun der #BlackLivesMatter-Bewegung in den USA anschließen, um ihre eigene Agenda voranzutreiben, die auf "vorsätzlicher Unkenntnis der Fakten" beruhe. (APA, 29.6.2020)