Wenn man einen Stein aufhebt, kriecht da oft etwas hervor, was man lieber nicht so genau ansehen möchte. Im deutschen Kinderporno- und Missbrauchsskandal mit Brennpunkt Nordrhein-Westfalen haben die Behörden jetzt Spuren gesichert, die zu 30.000 Verdächtigen führen könnten (Mehrfachnutzung von Geräten).

Jedenfalls eine Unzahl von Leuten, die verdächtig sind, sich Kinderpornografie anzusehen, zu teilen, sich darüber im Netz zu unterhalten und auch physische Missbrauchshandlungen gesetzt zu haben. An Opfern, die zwischen drei Monate und 14 Jahre alt sind. Wobei sie sich noch Tipps geben, wie man die Opfer am besten betäubt. Jedenfalls Mega-Missbrauch. Die Behörden, die Jugendämter haben da anfangs eindeutig versagt. Aber noch mehr versagt haben die Zivilgesellschaft, die Nachbarn, die Angehörigen, denen nichts aufgefallen ist. Die nicht hinsehen wollten.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es für die Opfer ungeheuer schwer, fast unmöglich ist, danach ein "normales" Leben zu führen. Dass manche von ihnen selbst zu Tätern werden können. "Die Öffentlichkeit" verlangt bei so etwas meist nach "strengeren Strafen". Doch Strafen (es gibt auch Einweisungen in die Psychiatrie auf unbestimmte Zeit) schrecken solche Täter nicht genügend ab. Was bleibt, ist Wachsamkeit, Hinsehen, nicht Verdrängen – mit einem Wort: Prävention. (Hans Rauscher, 29.6.2020)