Jerome Powel, Chef der US-Notenbank Fed hat grünes Licht gegeben für den Ankauf von Unternehmensanleihen. Papiere von Walmart und AT&T waren in der ersten Runde dabei.

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Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihren nächsten Schritt gemacht, um der von der Corona-Pandemie gebeutelten Wirtschaft zu helfen. Im Rahmen des Notfallprogramms zur Ankurbelung der Konjunktur hat die Fed nun Unternehmensanleihen im Volumen von 428 Millionen Dollar (380 Mio. Euro) erworben. Gekauft wurden unter anderem Anleihen von großen Öl- und Tabakkonzernen, des Einzelhändlers Walmart und des Telekomunternehmens AT&T.

Alle Anleihen sind laut Fed am Sekundärmarkt gekauft worden. Sie stammten von 86 Emittenten. Außerdem habe die Fed 16 börsennotierte Indexfonds im Volumen von 5,3 Milliarden Dollar hinzugefügt, wurde mitgeteilt. Die Fed hatte im Juni bereits angekündigt, ihr Mitte Mai aufgelegtes Notfallprogramm zum Aufkauf von Unternehmensanleihen mit einer zusätzlichen Struktur zu ergänzen. Sie stellt ein Portfolio zusammen, das sich an einem breit angelegten Marktindex von US-Firmenanleihen orientiert. Dabei sollen spezielle für das Programm geltende MindestStandards für Ratings, maximale Laufzeit und andere Kriterien gelten. Ziel dieses Kreditvehikels ist es, in der Corona-Krise für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten zu sorgen. Die Unternehmen sollen möglichst bequem an frisches Geld gelangen.

Neues Programm

Dass Notenbanken Anleihen von Unternehmen aufkaufen, ist nicht neu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im März 2015 begonnen, im Zuge der Eurokrise Anleihen im großen Stil aufzukaufen. Auch in der Bekämpfung der Corona-Folgen setzt die EZB wieder auf dieses Mittel. Das Corona-Notfallprogramm der EZB hat einen Umfang von 750 Milliarden Euro und soll bis Ende 2020 laufen. Grundlage ist das kürzlich beschlossene Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP.

Von Börsianern werden die Notenbank-Programme immer wieder freudig aufgenommen. Zeigt es doch, dass die Wirtschaft und damit die Märkte mit aller Kraft gestützt werden.

Längerfristig müsse man sich aber schon fragen, wo das Ziel dieses Weges sei, sagt Peter Brezinschek, Leiter vom Research der Raiffeisen Bank International (RBI). Denn dass Notenbank hier unendlich Papiere aufkaufen, "setzt auch Preis- und Risikosignale unter Druck".

Durch den Kauf der Anleihen bekommen Unternehmen frisches Geld. Werden die Papiere beispielsweise den Banken abgekauft, fließt hier Geld, damit die Banken dieses als Kredit in die Wirtschaft pumpen können. Dass aber schon fast jedes Papier von der EZB gekauft werden kann – also auch jene mit schlechtem Rating –, verlagere nur das Risiko, erklärt Brezinschek.

So würden die Risikoprämien für Unternehmen niedrig gehalten, damit diese gut durch die Krise kommen. Zeitgleich bekämen die Notenbanken damit laut Brezinschek aber auch eine immer dominantere Stellung, die Preisgestaltung durch die Marktteilnehmer werde außer Kraft gesetzt.

Risiko ausgelagert

Das marktwirtschaftliche Risiko werde zunehmend an Notenbanken ausgelagert. Daher glaubt Brezinschek, dass die Euphorie der Börsianer für solche Programme versiegen wird. Wenn die Aufräumarbeiten nach der Krise starten, könne man nur hoffen, "dass die Programme wieder zurückgefahren werden, sonst gibt es keine wahren Preissignale mehr und es stellt sich auch die Frage, wonach die Notenbanken künftig Risiko definieren", sagt Brezinschek. (Bettina Pfluger, 30.6.2020)