Mitglieder des Kommandos Spezialkräfte (KSK) auf einem Archivbild aus dem Jahr 2004.

Foto: AP Photo/Thomas Kienzle

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer räumte bei einer Pressekonferenz mit Bundeswehr-General Eberhard Zorn ein, dass sich "das KSK zumindest in Teilbereichen verselbstständigt hat" und dabei Bereiche mit "extremistischen Tendenzen" und "absolut nicht hinnehmbarem, laxem Umgang mit Material und Munition entstanden" seien.

Foto: Photo by FABRIZIO BENSCH / POOL / AFP / APA

Als die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Dienstag in Berlin vor die Presse tritt, um über indiskutable Vorgänge beim Kommando Spezialkräfte (KSK) zu sprechen, da beginnt sie zunächst mit einem Lob. Sie habe die Arbeit der im baden-württembergischen Calw stationierten Elitetruppe der Bundeswehr analysieren lassen. Und die Analyse habe ergeben, "dass das KSK in allen Einsätzen militärische Spitzenleistungen" erbracht hat. Sie betont auch, dass die Mehrheit der Soldaten auf dem Boden des Grundgesetzes stehe.

Doch dann ist auch schon Schluss mit den positiven Nachrichten über die Truppe, die 1996 zur Befreiung deutscher Geiseln in Kriegsgebieten gegründet wurde und die laut Eigenbeschreibung folgende Aufgaben hat: "Schutz deutscher Einrichtungen und Kräfte im Ausland sowie von Personen in besonderen Lagen, Retten, Befreien und Evakuieren von Personen, militärische Aufklärung zur Schaffung eigener Informationsüberlegenheit, Kampf gegen Ziele hoher Priorität auf gegnerischem oder feindbesetztem Gebiet."

Waffenarsenal und Rechtsextremismus

Denn in letzter Zeit haben sich sehr ungute Nachrichten gehäuft. Bei einem ehemaligen KSK-Soldaten in Sachsen wurde ein umfangreiches Waffenarsenal gefunden: zwei Kilogramm Sprengstoff, diverse Zünder, mehrere tausend Stück Gewehr- und Pistolenmunition, ein Maschinengewehr, Messer und eine Handgranate.

Zudem zitierte der "Spiegel" aus einem zwölfseitigen Brief eines KSK-Soldaten an die Verteidigungsministerin. In diesem schildert der Hauptmann, dass innerhalb des KSK rechtsextreme Tendenzen geduldet, teilweise wissentlich vertuscht würden und den Mitgliedern eingebläut werde, keine Vorkommnisse zu melden.

Kollektive Ignoranz

Hinweise auf rechtsextreme Kameraden innerhalb des rund 1.000 Mann starken KSK würden "intern zwar wahrgenommen, aber aus unterschiedlicher Motivlage kollektiv ignoriert oder gar toleriert". Durch die straffe Führung angehender KSK-Kämpfer in der Ausbildung werde ihnen rigoroser Gehorsam antrainiert, der "von Kommandosoldaten in Ausbildung bereits mit dem der Waffen-SS verglichen wurde".

Der Soldat schildert auch, dass einer seiner Ausbilder aus seiner "aggressiv nationalkonservativen Gesinnung" keinerlei Hehl gemacht habe. Als "call sign", über den sich die Soldaten im Funkverkehr identifizieren, habe seine Kommandozentrale zudem stets den Code "Y-88" benutzt. Die Rekruten hätten die eindeutige Anspielung auf den Hitlergruß zwar wahrgenommen, aus Angst vor Repressalien aber habe niemand etwas gesagt. Laut dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) sind bei der KSK-Truppe zwanzig Soldaten unter Rechtsextremismus-Verdacht.

"In Teilbereichen verselbstständigt"

Kramp-Karrenbauer setzte eine Arbeitsgruppe ein und musste am Mittwoch in Berlin einräumen, dass sich "das KSK zumindest in Teilbereichen verselbstständigt hat" und dabei Bereiche mit "extremistischen Tendenzen" und "absolut nicht hinnehmbarem, laxem Umgang mit Material und Munition entstanden" seien.

Besonders beunruhigend findet sie, dass der Verbleib von 62 Kilogramm Sprengstoff und 48.000 Schuss Munition nicht geklärt sei. "Wir müssen alles in Betracht ziehen", so AKK. Sie beklagt auch eine "Mauer des Schweigens".

Kompanie aufgelöst

Als Konsequenz aus den Vorgängen will sie alle Übungen und internationalen Kooperationen der Elitetruppe einstellen und sie aus laufenden Einsätzen abziehen. Eine ganze Kompanie wird aufgelöst. Es ist jene, die 2017 durch eine Party aufgefallen war, bei der Nazirock gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sein soll.

Zudem wird die Ausbildung von KSK-Soldaten ins Heer eingegliedert werden. So soll Abschottung verhindert werden. Schlüsselpositionen für Offiziere und Feldwebel werden zeitlich begrenzt. Ziel dieser Reform sollen gemäß Kramp-Karrenbauer zwei Dinge bei der KSK sein: "Selbstreinigung und Selbstheilung." (Birgit Baumann aus Berlin, 1.7.2020)