Bei seinem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss gab Sebastian Kurz zu erkennen, dass sein Prinzip Message-Control auch für sein eigenes Mobiltelefon gilt. Der Bundeskanzler erzählte, dass er SMS-Nachrichten regelmäßig löscht, manchmal sogar noch bevor er ihren Inhalt kennt. "Strache hat mir mehr SMS geschrieben, als ich lesen kann", verriet er und gab damit Anlass für Spekulationen: Welche Nachrichten von Strache sind Kurz im Lauf der letzten drei Jahre dadurch entgangen? Vielleicht diese:

"Hallo Sebastian, ich glaub, ich bin der Einzige im Parlament, der genauso viel auf seinem Handy spielt wie du. Ich weiß, du stehst voll auf Candy Crush, wo man so Süßigkeiten vom Baum pflücken kann, aber ich find, Clash of Clans ist geiler. Da muss man das eigene Dorf gegen Feinde verteidigen und drauf schauen, dass man genug Goldreserven hat. Wie im richtigen Leben. Wenn du es geschickt machst, so wie ich, brauchst du nicht mehr als 3.000 Euro im Monat, und hast dann ein Dorf, das kein Feind mehr einnehmen kann. Das ist gut angelegtes Geld, weil man voll strategisch denken lernt. Magst einmal mit mir spielen? Ich glaub, wir wären ein Superteam!"

Heinz-Christian Strache und Sebastian Kurz.
Foto: AP Photo/Ronald Zak

"Hi Basti, ich hab vorige Woche top secret auf Ibiza eine urreiche Russin gedatet. Die macht so extrem auf diskret, dass sie sogar alle ihre Spuren im Internet gelöscht hat. Und stell dir vor, die will auch voll geheim die Kronen-Zeitung kaufen! Ich soll ihr helfen, und dann schreiben die dort zack-zack nur mehr, was ich will. Oder nach der Wahl dann, was du und ich wollen! Hast Interesse? Ich weiß: dir gute Berichterstattung in der Krone versprechen ist wie dem Putin gute Nachrede bei Russia Today garantieren. Aber suchst du nicht noch ein Geburtstagsgeschenk für den René Benko?"

"Mein Joschi Gudenus hat mir schon wieder die voll ärgeren Stories von deinem Buddy Martin Ho erzählt. Frag vielleicht mal deinen Thomas Schmid, ob da was dran ist."

"Haha, wie Du gestern im Fernsehen gesagt hast, Du wirst mit allen Parteien ergebnisoffen verhandeln, hab ichs ganz kurz sogar selber geglaubt!"

"Okay, dein Argument hat mich überzeugt. Wenn ich die Stenzel zur Ministerin mach, wär das genauso eine Verhöhnung des Amtes, wie wenn du das mit der Aschbacher oder der Tanner machen würdest. Es muss Grenzen geben."

"Wie macht ihr das eigentlich mit Novomatic-Spenden? Könntest Du mir diesbezüglich mal die Nummer vom Sobotka schicken."

"Nur weil bei euch jetzt alle so tun, als wäre Sidlo die peinlichste und unqualifizierteste FPÖ-Doppelnull aller Zeiten: Schon wieder vergessen, wen wir aller in der Nationalbank endgelagert haben?"

"Hab noch immer nicht ganz gecheckt, was da bei dir diesbezüglich so abgeht, geht mich auch nix an, aber ganz grundsätzlich: Interesse an günstigem Cialis?"

"Du hast mir nie auf mein SMS wegen Russin und Kronen-Zeitung geantwortet. Fürchte, die Sache hat sich jetzt erledigt."

"Könnte dein Arno auch für mich was schreddern? Mir droht nämlich Hausdurchsuchung. Stimmt es, dass man sich dagegen absichern kann, indem man Stefan Steiner zum Fenster stellt? Und überhaupt: Weißt Du, ob und wie man Chats und SMSen im Nachhinein wieder löschen kann?" (Florian Scheuba, 2.7.2020)