Wunschdestination Mars: Manche Länder waren schon dort, andere wollen nun endlich nachziehen.
Foto: Reuters/NASA

Im marsianischen Parkhaus werden bald ein paar Nummerntaferln mehr zu bewundern sein: Bisher kamen Sonden aus den USA, der Sowjetunion, Westeuropa (als Gemeinschaftsmissionen der ESA) und Indien. Sie sind entweder auf dem Roten Planeten gelandet oder in eine Umlaufbahn um ihn eingeschwenkt. Eine japanische Sonde hat den Mars im Jahr 1998 knapp verfehlt, eine britische ist 2003 auf ihm bruchgelandet und verloren gegangen.

Chinas zweiter Anlauf

Doch jetzt rückt die ehrgeizige neue Weltraummacht nach: China. Pekings erster Versuch war 2011 gescheitert, als der Orbiter Yinghuo-1 mit der russischen Raumsonde Fobos-Grunt zum Mars starten sollte. Diese konnte den Erdorbit jedoch nicht verlassen und verglühte wenige Monate später zusammen mit ihrem chinesischen Mitreisenden in der Atmosphäre.

Den zweiten Anlauf unternimmt China im Alleingang. Zwischen dem 20. und 25. Juli soll die Sonde Tianwen-1 ("Fragen an den Himmel") von der südchinesischen Insel Hainan ins All geschickt werden, kündigte das Raumfahrtzentrum in Wenchang an. Der Flug der Sonde mitsamt einem kleinen ferngesteuerten Roboter ist für ungefähr sieben Monate angelegt.

Die Konkurrenz schläft nicht

Da die Länge der Strecke zwischen Erde und Mars ständig variiert und derzeit günstig kurz ist, sind aber noch andere Sonden in Startposition – es ist also nicht ganz überraschend, wenn sich eine Art Wettlauf zum Mars abzeichnet. Dabei ist mit den Vereinigten Arabischen Emiraten noch ein weiterer Neuling im Spiel, Abu Dhabi will den Orbiter Hope auf die Reise schicken.

Und natürlich bleibt auch der alte Platzhirsch NASA nicht inaktiv – ringt derzeit aber mit Terminproblemen. Der Start des neuen Mars-Rovers Perseverance war ursprünglich für den 17. Juli vorgesehen, wurde vergangene Woche aber auf den 22. verschoben. Und auch der Termin hat nicht gehalten: Inzwischen hat die NASA bekanntgegeben, dass Perseverance frühestens am 30. Juli starten wird.

Ganz aus dem aktuellen Wettlauf hat sich die russisch-europäische Mission ExoMars abgemeldet. Vorgesehen eigentlich für Sommer 2020, wurde die Mission gleich auf das Jahr 2022 verschoben. Grund dafür sind technische Schwierigkeiten und die Behinderung der Vorbereitungen durch die Corona-Pandemie. (red, APA, 1. 7. 2020)