Ghislaine Maxwell wurde verhaftet.

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New York – Ghislaine Maxwell, die frühere Vertraute des verstorbenen Geschäftsmanns Jeffrey Epstein, ist festgenommen worden. Maxwell sei in der US-Stadt Bedford im US-Ostküstenstaat New Hampshire von der Bundespolizei FBI gefasst worden.

Die Bundesanwaltschaft in New York wirft ihr laut Anklageschrift mehrere Straftaten vor, sie stehen im Zusammenhang mit der Identifizierung und dem Transport von Minderjährigen zum Zweck des sexuellen Missbrauchs. Sie soll unter anderem Mädchen ins Kino eingeladen und später an Epstein vermittelt haben, heißt es in der Anklage.

Maxwell selbst erschien kurz per Video aus dem Gefängnis bei einer Anhörung im Bundesgericht in New Hampshire, reichte allerdings kein Plädoyer ein. Sie habe kaum gesprochen, berichtet Reuters. Ihr Anwalt Larry Vogelman lehnte einen Kommentar ab.

Soll Mädchen zu Epstein gelockt haben

"Maxwell gehörte zu Epsteins engsten Mitarbeitern und half ihm, Mädchen auszubeuten, die erst 14 Jahre alt waren", sagte zuvor die US-Anwältin Audrey Strauss bei einer Pressekonferenz. Maxwell habe eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung und beim Anlocken von Epsteins minderjährigen Opfern gespielt. Und: "In einigen Fällen nahm Maxwell selbst am Missbrauch teil."

Laut Anklageschrift habe Maxwell in den Jahren 1994 bis 1997 junge Mädchen angelockt, indem sie sie zum Einkaufen oder ins Kino mitnahm und sie nach ihrem Leben und der Schule ausgefragt habe. Der Missbrauch der Mädchen soll dann in Epsteins Häusern in New York, Santa Fe, New Mexico und Palm Beach sowie in Maxwells Wohnsitz in London stattgefunden haben.

In Gerichtsakten heißt es außerdem laut Staatsanwaltschaft, Maxwell habe "drei Pässe, große Geldsummen, umfangreiche internationale Verbindungen". Ein Opfer wirft Maxwell zudem vor, sie zu Sex mit dem britischen Prinzen Andrew gezwungen zu haben.

Die Causa Epstein

Epstein war vorgeworfen worden, dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Der Investmentbanker war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden und wurde seitdem als Sexualverbrecher geführt.

Epstein wurde vor einem Jahr erneut festgenommen und später tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan gefunden. Nach Angaben des US-Justizministeriums nahm er sich das Leben. Bei einer Verurteilung hätten dem Multimillionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Auch nach Epsteins Tod laufen die Ermittlungen weiter. Dabei geht es um mögliche Komplizen des Sexualstraftäters. Seit dem Tod Epsteins wurde es still um Maxwell. Sie ist die Tochter des verstorbenen britischen Medienmagnaten Robert Maxwell, der einen Verlag gründete und mehrere Boulevardzeitungen – darunter den "Daily Mirror" – besaß.

Prinz Andrew überrascht

Im Zuge der Affäre war auch Prinz Andrew unter Druck geraten: Ihm wird vorgeworfen, 2001 eine Jugendliche missbraucht zu haben, diese sei von Epstein dazu gezwungen worden. Er bestreitet die Vorwürfe. Am Donnerstag wurde er von US-Ermittlern erneut zur Aussage aufgefordert.

"Wir würden es weiter sehr gerne sehen, wenn er zu uns käme und mit uns sprechen würde", sagte die New Yorker Staatsanwältin Strauss über den zweitältesten Sohn der Queen. "Unsere Türen bleiben offen."

Davon zeigte sich Prinz Andrew überrascht: Das Team des Herzogs von York sei "verblüfft angesichts dessen, dass wir mit der US-Justiz im vergangenen Monat zweimal kommuniziert haben", hieß es aus dem Umfeld Andrews am Donnerstagabend. Bisher habe man keine Antwort erhalten. (APA, Reuters, red, 2.7.2020)