Vorbild Montenegro: Die jährliche Pride findet in Podgorica seit vielen Jahren ohne Zwischenfälle statt. Nur bei der ersten Pride 2013 gab es gewaltsame Gegenproteste von rechten Hooligans.

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Nachdem das Parlament das Gesetz abgesegnet hatte, sprangen sie ins Auto und fuhren Regenbogenfahnen schwenkend durch die montenegrinische Hauptstadt Podgorica. Passanten winkten ihnen freudig zu und gratulierten. Viele montenegrinische Homosexuelle posteten auf Facebook das Logo des neuen Gesetzes: ein Herz in Regenbogenfarben mit einem montenegrinischen Berg darin, darunter der Satz "Die Liebe siegt".

Am 1. Juli stimmte eine Mehrheit der Parlamentsabgeordneten für die Einführung der eingetragenen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare. Montenegro ist damit der erste südosteuropäische Staat außerhalb der Europäischen Union, der ein solches Gesetz eingeführt hat. Sogar innerhalb der EU gibt es noch sechs Staaten, die Homosexuellen keine Möglichkeit gibt, sich zu verpartnern. "Viele Schwule und Lesben fühlen sich nun erstmals in ihrem Leben gleichgestellt und damit das erste Mal richtig frei", erzählt Danijel Kalezić von der NGO Queer Montenegro, die acht Jahre lang für das Gesetz lobbyierte.

Der montenegrinische Präsident Milo Djukanović twitterte, das Gesetz zeige, dass die Gesellschaft reifer werde und Unterschiede akzeptiere und lebe. "Damit ist Montenegro einen Schritt weiter, den meistentwickelten Demokratien der Welt beizutreten", so der Staatschef.

2019 abgelehnt

Mit dem Gesetz werden homosexuellen Paaren die gleichen Rechte gegeben wie Heterosexuellen – mit Ausnahme der Adoption von Kindern, was verheirateten Paaren vorbehalten bleibt. Von den 81 Abgeordneten stimmten 42 dafür und fünf dagegen, darunter Minderheitenvertreter und ein Mandatar der rechtsgerichteten Demokratischen Front. Premier Duško Marković sagte, dass es in "einem europäischen Montenegro keinen Platz für Diskriminierung" geben dürfe. 2019 wurde das Gesetz bereits eingebracht und damals noch von der Mehrheit abgelehnt, vor allem weil der Vorschlag von der Regierungspartei DPS kam. Den Initiatoren wurde von rechten Abgeordneten vorgeworfen, sie würden gegen die "gesunde Familie" agieren und sich gegen das Christentum wenden.

Vertreter der serbisch-orthodoxen Kirche bezeichneten in der Debatte Homosexuelle als Sünder oder als Kranke, die versuchen würden, die Gesellschaft zu zerstören. Doch NGOs wie Queer Montenegro, der montenegrinische Ombudsmann, der Europarat und das Ministerium für Menschen- und Minderheitenrechte setzten sich weiter für das Gesetz ein.

In einem Jahr wird es nun umgesetzt werden. "Es gibt schon viele Paare, die sich gleich beim erstmöglichen Termin im nächsten Sommer verpartnern wollen", erzählt Kalezić.

Bewusstseinswandel

Als besonders positiv bewertet er den Bewusstseinswandel in der montenegrinischen Gesellschaft. Vor einigen Jahren hätten die Leute noch mehrheitlich negativ auf Rechte für Homosexuelle reagiert. "Nun sind nach den letzten Umfragen 55 Prozent der Montenegriner für die Gleichstellung", erzählt er. Kalezić hofft, dass nun andere Balkanstaaten wie Nordmazedonien, Kosovo und Albanien die Verpartnerung von Homosexuellen ermöglichen werden. Im bosnischen Landesteil Föderation ist ein Gesetz bereits in Vorbereitung. Montenegro ist regionaler Vorreiter, seit 2013 gibt es bereits Regenbogenparaden. (Adelheid Wölfl, 3.7.2020)