Verschwörungstheorien um QAnon florieren.

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Wer in die Untiefen der Verschwörungstheoretiker-Community im Netz eintaucht, kommt nicht um QAnon herum. Mit der Corona-Krise hat die Gruppierung, die unter anderem verbreitete, Hollywoodstars würden Kinder entführen und ermorden, massiven Aufschwung erlebt. Das soziale Netzwerk Facebook ist hierbei eines der wichtigsten Instrumente der Bewegung, um deren Fake-News zu verbreiten.

Anfang Mai nahm Facebook QAnon schließlich ins Visier: Zunächst wurden fünf Seiten, sechs Gruppen und 20 Profile von der Plattform gesperrt, dann wurde die Aktion auf immer mehr Inhalte ausgedehnt.

Katz und Maus

Die Verschwörungstheoretiker reagierten, indem sie die Namen ihrer Gruppen änderten – statt "Q" verwendeten sie "17", also den 17. Buchstaben im Alphabet. Weitere User eröffneten Back-up-Konten und verwiesen auf alternative Plattformen. Ob die Sperre also Erfolg hatte, ist fraglich, wie eine Analyse des "Guardian" ergab: Dabei fanden die Journalisten über hundert Facebook-Seiten, Profile, Gruppen und Instagram-Konten der Bewegung mit jeweils mindestens 1.000 Followern oder Mitgliedern.

Solche Gruppen würden dazu genutzt, User immer mehr zu radikalisieren und in das Netz der propagierten Theorien zu verstricken. Algorithmen würden laut "Guardian" dafür sorgen, dass auch Nutzer, die eigentlich nichts mit solcherart obskuren Themen am Hut hätten, die betreffenden Beiträge ebenso sehen. So hatte der "Guardian" ursprünglich gar nicht aktiv nach QAnon-Gruppen gesucht – ein Reporter hatte eine solche empfohlen bekommen, nachdem er mit einem Konto Gruppen von Trump-Unterstützern, Impfgegnern und Lockdown-Gegnern beigetreten war. Anhand des Algorithmus entdeckte er über hundert weitere Gruppen.

Absurde Theorien finden Zulauf

QAnon soll in seinen Ursprüngen bis Oktober 2017 zurückreichen. Damals meldete sich im Onlineforum 4chan ein anonymer Nutzer zu Wort, der eigenen Angaben zufolge dem direkten Umfeld von US-Präsident Donald Trump angehört. Der User nährte die Behauptung, dass Trump in Wirklichkeit ein heldenhafter und genial agierender Kämpfer gegen den "tiefen Staat" sei – eine verschwörerische Gemeinschaft, die die USA fest in ihrem Griff habe.

Die Behauptungen des "Q" genannten Informanten ließen sich dabei an Absurdität kaum überbieten. So fabulierte er von einem Netzwerk pädophiler Politiker und von Hollywoodstars, die angeblich Kinder entführen und ermorden würden, um dann aus ihnen eine Lebenselixier namens "Adrenochrom" zu gewinnen und sich damit zu verjüngen.

Aufsehen erregte die Bewegung, als sie die Fake-News um "Pizzagate" weiterverbreitete – laut dieser würde eine Pizzeria in Washington, D.C., eigentlich von einem Kinderpornoring genutzt, auch die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sei Teil davon.

Im Rahmen der aktuellen Corona-Krise wird verbreitet, bei Covid-19 handle es sich um ein raffiniertes Ablenkungsmanöver von Donald Trump, damit er endlich in Ruhe mit dem "tiefen Staat" und pädophilen Weltverschwörung aufräumen könne.

Facebook kennt sein Problem

Obwohl sich Qs Theorien mehrfach nachweislich nicht bewahrheitet hätten, blieben zahlreiche Anhänger dem "Informanten" treu und interpretierten die kryptischen Nachrichten, als handle es sich um eine digitale Schatzsuche, schreibt der britische "Guardian".

Dass Facebooks Algorithmen Nutzer in die Verschwörungsuniversen locken, ist keine Neuigkeit: Das soziale Netzwerk selbst kam im Jahr 2016 zum Fazit, dass 64 Prozent aller Beitritte in Extremistengruppierungen durch die eigenen Algorithmen ermöglicht würden.

Andere Social-Media-Seiten hatten rasch gegen QAnon durchgegriffen: Reddit kündigte vor zwei Jahren eine weitgehende Sperre an und setzte diese auch durch. Das soziale Netzwerk hatte eine entscheidende Rolle bei der ersten Verbreitung der Theorien gespielt. Nach dem Aus migrierte die Gruppierung sodann auf mehrere Seiten, darunter Twitter, Facebook, Youtube und Discord. (red, 6.7.2020)