Für viele ausländische Studierende war das, was die US-Administration zu Wochenbeginn verlauten ließ, eine Hiobsbotschaft: Wer von ihnen an einer Hochschule eingeschrieben ist, die wegen der Corona-Pandemie künftig nur Online-Kurse anbietet, muss das Land verlassen. US-Präsident Donald Trump hat nun also auch in der Bildungspolitik einen Hebel für seine kurzsichtige "America First"-Politik gefunden. Es ist eben Wahlkampf – und da ist dem zuletzt stark unter Druck Geratenen jedes Mittel recht, um seine Anhängerschaft bei Laune zu halten.

US-Präsident Donald Trump ist jedes Mittel recht, um seine Anhängerschaft bei Laune zu halten.
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Doch auf diese Weise beschädigt der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mutwillig – und wohl auch ziemlich gedankenlos – eine über viele Jahrzehnte mühsam aufgebaute und immens wichtige Errungenschaft seiner Nation: die weltweite Führungsrolle im universitären Bildungsbereich.

Sollte Trump glauben, dass die USA diese Spitzenposition auch ohne ausländische Studierende und Forschende halten können, so irrt er: Das US-Hochschulsystem ist nicht nur intellektuell, sondern auch finanziell abhängig von den zuletzt 1,1 Millionen ausländischen Studierenden. Sie sind zumeist "Vollzahler" und machen fast sechs Prozent der Studentenschaft aus – und sie kofinanzieren nicht zuletzt auch die Stipendien vieler US-Studenten. Den Schaden für das US-Bildungssystem werden nach Trump andere beheben müssen. Ihn selbst wird das kaum kümmern. (Gianluca Wallisch, 7.7.2020)