Dieses Logo der Redskins könnte bald Geschichte sein. Es gilt als diskriminierend, Sponsoren machen Druck.

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Die Wende kam nicht überraschend, wohl aber überraschend schnell. Mit einer knappen Erklärung trat der Marketingunternehmer Dan Snyder, dem das Footballteam der Redskins aus Washington gehört, die Flucht nach vorn an. Man werde den Namen einer gründlichen Prüfung unterziehen, kündigte er an, deutlich einsilbiger, als es sonst seine Art ist.

Vor sieben Jahren, als die Debatte um den Namen des Klubs schon einmal hochgekocht war, hatte Snyder Korrekturen noch kategorisch ausgeschlossen, in der Wortwahl kein bisschen gewunden, sondern im Gegenteil sehr bestimmt. "Den Namen werden wir niemals ändern. So einfach ist das. NIEMALS – Sie können das ruhig in Großbuchstaben drucken", sagte er der Zeitung USA Today.

Längst Kritik

Schon damals fanden prominente Zeitgenossen, dass es Menschen permanent herabwürdigt, wenn eine Mannschaft unter dem Namen Rothäute auf den Footballrasen läuft. Sogar Barack Obama, Präsident im fünften Amtsjahr, hatte sich seinerzeit eingeschaltet, elegant wie fast immer. Wäre er Besitzer des Klubs, würde er über Neuerungen nachdenken. Auch wenn es manchen Fans nicht gefalle, weil sie ja stolz seien auf ihren Klub, sei man schlecht beraten, eine beträchtliche Anzahl von Leuten auf Dauer so schwer zu beleidigen.

Proteste im Dezember 2019.
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Damals blieb noch alles beim Alten, zumal zwei Drittel der Bewohner der Hauptstadtregion, wie Meinungsforscher ermittelten, durchaus wollten, dass alles beim Alten blieb. Nun hat auch Snyder begriffen, dass der Zeitgeist von 2013 nicht mehr der von 2020 ist.

Denkmalsstürze

Die Proteste, die dem Tod des Afroamerikaners George Floyd folgten, führten zu einer Serie von Denkmalsstürzen. Alte Statuen wurden vom Sockel gestoßen, und auch der Streit um die Frage, welche Namen opportun sind für einen Sportklub, ist in neuer Schärfe entbrannt. Vor allem geht es um Namen, mit denen sich Vereine schmückten, um den Kampfgeist besiegter indianischer Krieger zu beschwören. Um Namen, die in den Ohren der Ureinwohner Amerikas abwertend klingen.

Die Cleveland Indians, eine Baseballmannschaft, ließen in reichlich verschlungener Semantik wissen, dass man sich "auf dem Weg nach vorn" befinde, was die Bezeichnung des Teams angehe. Im Falle der Redskins war es, was in den USA häufig passiert, die Unternehmenswelt, die ein Machtwort sprach. Der Logistikriese Fed Ex, wichtigster Sponsor, stellte vergangene Woche schnörkellos klar, dass sich der Klub bewegen möge. Das erzeugte den Druck, dem sich der einst so sture Dan Snyder prompt beugte.

Warum eigentlich Redskins?

Warum die Redskins eigentlich Redskins heißen, dazu gibt es mindestens zwei Versionen. Nach der einen wollte der Wäschereibesitzer George Preston Marshall, der den Klub 1932 gründete, zunächst in Boston, bevor er über New York nach Washington weiterzog, seinen geschätzten Cheftrainer, einen Sioux namens William Dietz, auf diese Weise ehren. Der anderen zufolge waren Dietz’ indianische Wurzeln frei erfunden und Marshall ein unbelehrbarer Rassist.

Money talks: Der einst so sture Dan Snyder lenkte ein, als Sponsoren zu drohen begannen.
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Bis 1962 weigerte er sich übrigens, schwarze Athleten aufzunehmen, zu einer Zeit, in der alle andere Mannschaften der National Football League (NFL) die Schwelle längst überschritten hatten. Welche Variante auch immer stimmt, Marshalls Nachfolger sehen sich bereits seit längerem in die Defensive gedrängt. Bereits 2014 entschied die Redaktion der Washington Post, den Namen Redskins nicht mehr in ihren Kommentarspalten zu verwenden. Zuvor hatte die Oneida-Nation, eine kleiner Indianerstamm im Bundesstaat New York, eine Abordnung in die Hauptstadt entsandt, um über verletzte Gefühle zu reden. Allein das gold-burgunderfarbene Wappen mit dem Indianerkopf und den hinten herabhängenden Federn: Ray Halbritter, der Sprecher der Oneida, nannte es unerträglich herabwürdigend, wenn eine alte Kultur auf ein albernes Maskottchen reduziert werde.

Das Patentamt strengte Prozesse an, um den Redskins die Markenrechte zu entziehen. Wobei es noch vor drei Jahren den Kürzeren zog. Die Behörden, urteilte der Supreme Court, dürften einem privaten Sportklub diese Rechte nicht verweigern, auch dann nicht, wenn er einen potenziell beleidigenden Namen trage. (Frank Herrmann aus Washington, 8.7.2020)