Ghosns Flucht in den Libanon liefert Stoff für ein Drehbuch.

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New York/Yokohama – Die Beweise gegen zwei mutmaßliche Helfer im Fall der Hollywood-reifen (und hier von STANDARD nacherzählten) Flucht des Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn aus Japan verdichten sich. Wenige Wochen vor seinem Absetzen in den Libanon habe Ghosn fast 900.000 Dollar (797.000 Euro) an die Firma einer der mutmaßlichen Fluchthelfer überwiesen, teilte die US-Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Die Staatsanwälte reichten bei Gericht zwei entsprechende Belege über Transaktionen im Oktober in Höhe von 540.000 Dollar und 322.500 Dollar von einer Bank in Paris zu der Firma Promote Fox ein. Das Unternehmen ist auf Peter Taylor und seinen Bruder eingetragen.

Furcht vor Auslieferung

Peter Taylor und sein Vater Michael werden im Zusammenhang mit Ghosns Flucht der Beihilfe beschuldigt und beantragten eine Freilassung aus der Untersuchungshaft auf Kaution. "Es besteht kein Fluchtrisiko und es gibt zweifellos Voraussetzungen, unter denen sie freigelassen werden können", sagten die Anwälte der Taylors mit Verweis auf steigende Coronavirus-Fälle in dem US-Gefängnis. Das Vater-Sohn-Gespann fürchtet auch eine Auslieferung an Japan. Die Staatsanwaltschaft argumentiert dagegen, dass durch die Zahlung Ghosns ausreichend Finanzmittel vorliegen würden, die durchaus ein Absetzen ins Ausland ermöglichen könnten.

Die US-Behörden verhafteten die Taylors im Mai auf einen Haftbefehl Japans, weil diese Ghosn angeblich bei seiner Flucht am 29. Dezember vergangenen Jahres in den Libanon geholfen hätten. Ghosn wollte einem Prozess wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung beim japanischen Renault-Partner Nissan entgehen, Renault tritt als Nebenkläger auf, um Ansprüche geltend zu machen. Seine Flucht verteidigte er mit einem mutmaßlichen Komplott gegen ihn. Der Libanon hat kein Auslieferungsabkommen mit Japan. (APA, Reuters, 8.7.2020)