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Update: Im Fall des wegen angeblicher Spionage für die NATO festgenommenen russischen Journalisten Iwan Safronow gibt es nach Darstellung der Anwälte bisher keine Beweise. Er werde deshalb gegen die Untersuchungshaft Beschwerde eingelegen, sagte Safronows Anwalt Iwan Pawlow von der Menschenrechtsorganisation Kommanda 29 (auch Team 29) am Mittwoch.

Safronow soll im Auftrag des tschechischen Geheimdienstes für die NATO Informationen gesammelt haben, die für die Weitergabe an die USA bestimmt gewesen sein sollen. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wirft dem 30-Jährigen Hochverrat vor. Safronow weist die Vorwürfe als absurd zurück.

Der in Russland bekannte Journalist arbeitet seit Mai als Berater für die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos. Ein Gericht ordnete auf FSB-Antrag am Dienstag Untersuchungshaft an. Aus Solidarität mit Safronow gab es noch am selben Tag spontane Mahnwachen in Moskau. Die Polizei löste sie allerdings auf und nahm mehrere Menschen fest.

Viele Journalisten unterstützten ihren früheren Kollegen, der unter anderem für die renommierten Zeitungen "Kommersant" und "Wedomosti" über militärische Angelegenheiten berichtet hatte. Zuletzt verfasste er mehrere Artikel über Unglücke und Pannen bei der russischen Waffentechnik. Deshalb könnte er sich nach Meinung von Kollegen Feinde in der Rüstungsindustrie und im Machtapparat gemacht haben.

Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte der Agentur Interfax zufolge vor emotionalen Reaktionen. Er verteidigte auch die Arbeit des FSB als hochprofessionell. Zudem wies er Vorwürfe zurück, dass in Russland die Daumenschrauben für Journalisten angezogen würden. Unabhängige Medien beklagen dies seit längerem. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei dem auf den Kampf gegen Korruption spezialisierten Korrespondenten Iwan Golunow Drogen untergeschoben. Der Druck der Öffentlichkeit wegen der gefälschten Beweise war so groß, dass Präsident Wladimir Putin mehrere Beamte entließ.

Putins Sprecher Peskow sagte, Safronow habe auch eine Zeit lang im Journalisten-Pool des Kreml gearbeitet. Auf die Frage, ob er dort Zugang zu für die NATO interessanten Informationen gehabt habe, sagte er: "Wenn er von den Geheimdiensten der NATO angeworben wurde, ist das nicht auszuschließen." Ein Sprecher des tschechischen Geheimdienstes UZSI (Behörde für Auslandsbeziehungen und Informationen) teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Prag mit, er werde sich nicht zu der Angelegenheit äußern: "Als Auslandsgeheimdienst können wir wirklich keine Informationen über unsere Tätigkeit mit der Öffentlichkeit teilen."

Bericht über russische Waffenexporte

Safronow soll Medienberichten zufolge im "Kommersant" über russische Waffenexporte geschrieben haben, der Geheimnisse beinhaltet haben könnte. In einem Artikel sei es um Lieferungen von Kampfjets an Ägypten gegangen. Der Beitrag wurde von der Internetseite gelöscht.

Die Redaktion solidarisierte sich mit Safronow und nannte ihn einen "echten Patrioten", der stolz über das Militär und die Raumfahrt Russlands geschrieben habe. Die Menschenrechtlerin Olga Romanowa sagte, für die Veröffentlichung mutmaßlicher geheimer Informationen dürfe nicht der Journalist bestraft werden, verantwortlich sei die Quelle.

Safronows Vater war ebenfalls "Kommersant"-Korrespondent, der über militärische Belange schrieb. Er kam 2007 unter mysteriösen Umständen bei einem Fenstersturz ums Leben. (APA, dpa, Reuters, 8.7.2020)