DER STANDARD

Seit 1975 ist die 40-Stunden-Woche in Österreich fix etabliert. Ist es jetzt, nach fast 50 Jahren, wieder Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung? Diese Frage stand im Zentrum einer hitzigen Videodebatte zwischen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bei "STANDARD mitreden".

Als Expertin war die Medizinerin und Psychotherapeutin Irene Kloimüller geladen, die auf die Themen Arbeit und Gesundheit spezialisiert ist.

SPÖ-Chefin Rendi-Wagner hat ja soeben ein neues Modell präsentiert: Sie fordert eine Viertagewoche bei einem teilweisen Lohnausgleich für die kommenden drei Jahre, um die Folgen der Krise abzufedern. Die Kosten würden Unternehmer, Staat und Arbeitnehmer tragen. Sie ließ mit der Ansage im Videotalk aufhorchen, dass das von ihr vorgeschlagene Modell bis zu 100.000 neue Jobs in Österreich schaffen könnte und zusätzlich den Menschen "mehr Freizeit, mehr Zeit für Erholung und mehr Zeit mit der Familie" geben würde.

Schramböck warnt vor Schäden für Unternehmen

Wirtschaftsministerin Schramböck ließ kein gutes Haar an Rendi-Wagnes Ideen: Der Vorschlag sei gar nicht neu und werde heimische Betriebe "schwächen und zusätzlich belasten". Gerade in dieser hochsensiblen Phase müsse alles vermieden werden, was für Unternehmen zu höheren Kosten führe oder mehr Regulierung und mehr Auflagen bringe. Und: Sie brachte als Beispiel Frankreich, wo die Einführung der 35-Stunden-Woche desaströse wirtschaftliche Folgen gehabt und zur Abwanderung von Betrieben geführt habe – und dazu, dass Mitarbeiter erst recht mehr arbeiten.

Rendi-Wagner: Ungleiche Verteilung bekämpfen

Das ließ Rendi-Wagner nicht auf sich sitzen: "Ihre Vergleiche sind unseriös und an den Haaren herbeigezogen." Es gebe aktuell zu wenig Arbeit in Betrieben, die oft ungleich aufgeteilt sei, so die SPÖ-Chefin. Während Vollzeitbeschäftigte im Schnitt mehr als 41 Stunden arbeiteten, fänden Hunderttausende keinen Job.

Schramböck pochte auf flexible Regelungen auf Unternehmensebene: Es gebe keinen Grund, Menschen von oben herab zu diktieren, wie viel sie arbeiten sollen. Arbeit solle auch nicht nur als unliebsame Pflicht angesehen werden.

Expertin Kloimüller komplettierte die Runde und berichtete, in welchen Ländern der Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben besonders gut gelingt – und warum eine Arbeitszeitverkürzung allein noch nicht zwingend glücklich macht.

Was bringt es Frauen?

Warum das so ist? Sehen Sie die Antworten im Video. Sehen Sie dort auch, wie Rendi-Wagner und Schramböck darüber streiten, ob Österreichs Wettbewerbsfähigkeit unter der Viertagewoche leiden und eine Arbeitszeitreduktion Frauen entlasten würde. Diskutiert wurde auch, wie die Corona-Krise die Arbeitseinstellung der Menschen verändert hat. Haben wir überhaupt noch Bock auf die 40-Stunden-Woche? Antworten gibt es im Video. (Text: András Szigetvari, Video: Ayham Yossef, 10.7.2020)