Foto: Reuters / Flavio Lo Scalzo

Der erste Test von Venedigs neuer Hochwasserschutzanlage Mose (Modulo sperimentale elettromeccanico) ist erfolgreich abgeschlossen worden. Alle 78 beweglichen Barrieren an drei Eingängen wurden am Freitag gleichzeitig aufgestellt und somit die Lagune vom Meer abgeschnitten. "Der Test ist perfekt gelungen", berichteten Fachleute in Anwesenheit von Italiens Premier Giuseppe Conte.

"Das Dammprojekt Mose entsteht mit dem konkreten Ziel, Venedig vor dem Hochwasser zu schützen. Wir hoffen, dass dieses Werk funktioniert", sagte Conte. Die Arbeiten an dem milliardenteuren und umstrittenen Projekt sollen erst 2021 abgeschlossen werden.

Kritik von Umweltschützern

Der Test wurde am Freitag von Protesten von Umweltschützern begleitet, die Mose als schädlich für die Lagune und als zu teuer betrachten. Aktivisten der Bewegung "No Mose" versuchten ein Schiff der Mose-Techniker zu stoppen, was ihnen jedoch wegen des Eingeifens von Polizeimotorbooten nicht gelang.

"Dieses Projekt hat nicht unsere Regierung geplant. Wir stehen aber vor der letzten Meile, um diese Infrastruktur zu vollenden. Die Politik übernimmt die Verantwortung und hat mit einem weiteren finanziellen Opfer beschlossen, dass Mose fertiggebaut wird", sagte Premier Conte. Auf den Einwand, die Instandhaltung des Mose sei sehr kostspielig, antwortete der Premier, dass seine Regierung die notwendigen Finanzierungen für den Erhalt der Infrastruktur zur Verfügung stellen werde. "Wir müssen verhindern, dass die Tragödie des Hochwassers in Venedig sich nicht wiederholt", erklärte der Regierungschef.

Venedigs Bürgermeister setzt Hoffnungen in Mose

Bürokratie, Korruptionsskandale und unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen hatten das Milliarden-Projekt immer wieder verzögert. "Mose hat eine umstrittene und komplizierte Geschichte hinter sich. Wir haben die Aufgabe, diese Infrastruktur fertig zu bauen. Ein langes Kapitel geht zu Ende und wir danken den Venezianern für die Geduld. Schon ab dem kommenden Herbst können wir bei Hochwasser die Barrieren aufstellen, um die Lagune vor den Fluten zu schützen", sagte die für Mose zuständige Regierungskommissarin, Elisabetta Spitz.

"Die Geschichte wird darüber urteilen, ob Mose ein Erfolg ist, oder nicht. Es ist unbestreitbar, dass wegen der Bürokratie die Arbeiten zu lang gedauert haben. Es handelt sich jedoch um ein einmaliges Infrastrukturprojekt, von dem die Zukunft Venedigs abhängt", sagte der Bürgermeister der Lagunenstadt Luigi Brugnaro.

Sechs Verfahren um Projekt-Konsortium

Die Bauarbeiten für das Großprojekt hatten bereits 2003 unter der Regierung von Silvio Berlusconi begonnen. Korruptionsskandale, technische Schwierigkeiten und Finanzierungsengpässe verzögerten die ursprünglich für 2017 geplante Fertigstellung jedoch. Noch unklar ist, wie viel das Projekt den öffentlichen Kassen kostete. Laut der Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" liegt der Preis weiter über den sechs Milliarden Euro, die die Regierung angegeben hat. 33 Verfahren sind gegen das Konsortium "Venezia Nuova" im Gange, die das Projekt umgesetzt hat.

Die Idee zu dem mobilen Deichsystem entstand bereits in den 1960er-Jahren, nachdem 1966 eine Flut katastrophale Schäden in der Stadt verursacht hatte. Nach weiteren schweren Überschwemmungen erklärte die Regierung in Rom die Rettung Venedigs zu einer Angelegenheit von nationalem Interesse. (APA, 10.7.2020)