Die Formel 1 schlängelt sich dem zweiten Saisonrennen entgegen, es ist der erste "GP der Steiermark".

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Spielberg – Jene Katze, die am Freitag auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg gesehen wurde, hatte lange genug im Dunkeln ausharren müssen. Aber dann war sie aus dem Sack. Der zum Formel-1-Saisonstart für Mercedes erfolgreiche Finne Valtteri Bottas und der für Ferrari zweitplatzierte Monegasse Charles Leclerc haben die Rennpause für einen Abstecher in die Heimat genützt, sie sind nach Monte Carlo und wieder zurück in die Steiermark gedüst. Und angesichts der so strengen Formel-1-Sicherheitsauflagen wegen Corona fragen sich jetzt einige: Ja durften die denn das?

Da sonst niemand antworten wollte, hat Bottas dies kurzerhand selbst erledigt. "Solange ich mit den gleichen Personen in der gleichen Blase bleibe, macht es keinen Unterschied, ob ich hier oder in Monaco bin." Und: "In Europa sind die Reisewege kurz, und ich wollte drei Tage zu Hause verbringen." Seine Freundin, die australische Radrennfahrerin Tiffany Cromwell, war mit ihm an- und wieder abgereist. Was bleibt dem Zirkus übrig, als davon auszugehen, dass Bottas daheim nur mit Cromwell ausging?

Dinner mit Freunden

Im Falle Leclercs ist erwiesen, dass er auch Personen außerhalb seiner "Blase" traf, er selbst postete Dinner-Fotos mit Freunden. Dass Bottas und Leclerc von der FIA eine "Erinnerung" an die Hygiene- und Sicherheitsauflagen erhielten, macht den Schlangenlinienkurs des Weltverbands offensichtlich. Ferrari wurde auch über den Leclerc-Verstoß informiert, mit dem Hinweis, dass erst ein weiterer Verstoß auch den Stewards gemeldet werde.

Zeichen-Setzen gegen Rassismus

Die Regeln in Zeiten von Corona sind relativ. Immerhin ist die Formel 1 zum Glück kein Kindergarten, sonst würde sie drei Tage auf Testergebnisse warten. Dass jeder Pilot einen eigenen Kopf hat, erkennt man auch anhand der Diskussion über das Zeichen-Setzen gegen Rassismus. Sie entbrannte beim ersten Rennen, vor dem zwar alle 20 Piloten schwarze T-Shirts ("End Racism") trugen, aber sechs von ihnen darauf verzichteten, das Knie zu beugen: Kimi Räikkönen, Charles Leclerc, Daniil Kwjat, Carlos Sainz, Antonio Giovinazzi, Max Verstappen. "Alle Fahrer sind klar gegen Rassismus. Auch ich helfe gerne. Aber am Ende hat jedes Individuum das Recht, das zu tun, bei dem er sich wohlfühlt", wurde Räikkönen von der APA zitiert. Leclerc: "Wie man sich im täglichen Leben verhält, ist wichtiger als förmliche Gesten, die in einigen Ländern kontrovers beurteilt werden."

Ja. Eh. Es spricht für Weltmeister Lewis Hamilton, dass er nicht auf die sechs Kollegen einging. Dem Briten ist Black Lives Matter ein besonderes Anliegen. Mit einer Geste bei einem Rennen sei es nicht getan. "Wir müssen weitermachen, uns Gehör verschaffen. Das ändert sich nicht innerhalb von ein paar Wochen." Wenn die Formel 1 nach Plan verläuft, gibt es noch einige Gelegenheiten. Denn am Freitag wurden Mugello (13. 9.) und Sotschi (27. 9.) im Kalender bestätigt, der nun fix zehn Rennen umfasst. Fünf bis acht sollen noch dazukommen.

Derweil ist Sebastian Vettel schon auf Cockpitsuche für die Saison 2021. Bei Ferrari wird der Deutsche mit Saisonende verabschiedet, doch eine Rückkehr zu Red Bull, wo er viermal Weltmeister war (2010–13), ist kein Thema. "Bei uns besteht keine Chance auf einen Sitz", hat Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko via ORF bestätigt. (Fritz Neumann, 10.7.2020)