Der große Neymar war für einmal ganz aufgeregt. "Ein Freundschaftsspiel, das sich wie ein Finale mit einem Knoten im Bauch anfühlt", schrieb der brasilianische Superstar in den Sozialen Medien – dabei musste er mit Paris St. Germain nicht etwa gegen Real Madrid, den FC Barcelona oder den FC Liverpool ran. Nein, es ging "nur" zum Testspiel beim Zweitligisten AC Le Havre. Besonders war dieses aber allemal.

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Denn es war nicht nur das erste Spiel für den französischen Meister nach vier Monaten Zwangspause, sogar knapp 5000 Zuschauer wohnten dem 9:0 (5:0) des Starensembles im Stade Oceane bei – so viele wie in keinem anderen Stadion der großen europäischen Fußballligen seit Beginn der Corona-Pandemie. Auch dem deutschen Trainer Thomas Tuchel ließ deshalb nicht nur das Schützenfest seiner Mannschaft das Herz aufgehen.

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"Ja, es war eine Überraschung, denn in Deutschland, Spanien und England spielen sie hinter verschlossenen Türen", sagte Tuchel nach dem ersten Vorbereitungsspiel von PSG auf das Finalturnier der Champions League im August: "Es war eine Überraschung, dass es möglich ist, mit Fans zu spielen. Wir lieben das, denn es verändert die Atmosphäre im Stadion."

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Und die erinnerte schon arg an klassische Gute-Laune-Sommerkicks aus coronafreien Zeiten. Während Neymar oder Weltmeister Kylian Mbappe auf dem Rasen unter Jubel und Applaus von den Rängen zauberten, mussten die Fans auf den Tribünen jedoch Abstand halten und Masken tragen – auch wenn ein Großteil der Zuschauer auf den Mund-Nasen-Schutz verzichtete.

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Die Reaktionen auf den weiteren Schritt in Richtung Normalität waren trotzdem überschwänglich. "Es ist ein Sieg für den französischen Fußball und den gesamten Sport", sagte Sportministerin Roxana Maracineanu. Für Johan Vattier, Präsident der größten Fangruppierung von Le Havre, war es "ein bisschen wie die Rückkehr ins normale Leben, auch wenn die Einschränkungen teilweise drastisch sind".

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Der Hunger der Fans auf das lange verwehrte Stadionerlebnis war dennoch immens. Die Zuschauerzahl war gemäß der Verordnungen der französischen Regierung begrenzt, die verfügbaren Tickets zum Preis von 30 bis 60 Euro waren binnen sechs Minuten ausverkauft.

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Frankreich hatte seine Saison zwar als einzige europäische Topliga ersatzlos abgebrochen und PSG zum Meister gekürt, doch die Finals im französischen Pokal (am 24. Juli gegen AS St. Etienne) und im Ligapokal (am 31. Juli gegen Olympique Lyon) stehen für die Pariser noch an. Und als Highlight wartet ja auch noch das Finalturnier der Champions League, am 12. August steigt in Lissabon das Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo. Dann aber auf jeden Fall wieder ohne Zuschauer. (sid, 13.7.2020)

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