Am 2. Juli verkündete die New Yorker Staatsanwaltschaft, dass Maxwell angeklagt werde.

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New York – Im Skandal um den wegen Sexualverbrechen verurteilten und in der Untersuchungshaft gestorbenen Unternehmer Jeffrey Epstein hat dessen vor kurzem festgenommene Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell am Dienstag auf "nicht schuldig" plädiert. Maxwell wurde per Videokonferenz einvernommen.

Maxwells Anwälte hatten im Vorfeld um eine Freilassung gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) gebeten, weil ihrer Darstellung nach kein Fluchtrisiko besteht. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Mit drei Pässen und zahlreichen Bankkonten in unterschiedlichen Ländern sei das Fluchtrisiko sehr groß, hieß es im Vorfeld von der Staatsanwaltschaft.

Soll "entscheidende Rolle" bei Sexualverbrechen gespielt haben

Die 58-Jährige, die Anfang Juli im Bundesstaat New Hampshire festgenommen wurde, soll bei Epsteins Sexualverbrechen eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Ihr werden sechs Anklagepunkte vorgeworfen, darunter Verführung Minderjähriger zu illegalen Sexhandlungen und Meineid. Auf die Anklagepunkte stehen jeweils Höchststrafen von fünf bis zehn Jahren Gefängnis. Wann ein Prozess beginnen könnte, war vorerst unklar.

Die Anklagepunkte beziehen sich laut Staatsanwaltschaft auf die Jahre 1994 bis 1997. Der Missbrauch von Frauen und Mädchen, von denen eines nur 14 Jahre alt gewesen sein soll, habe hauptsächlich in Epsteins Anwesen in New York, Palm Beach und Santa Fe sowie in Maxwells Wohnsitz in London stattgefunden. Maxwell habe laut Staatsanwaltschaft zu Epsteins "engsten Verbündeten" gehört und eine "entscheidende Rolle" bei seinen Machenschaften gespielt.

Der einschlägig vorbestrafte amerikanische Geschäftsmann soll dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. 2008 war er in dieser Sache schon einmal einem Bundesverfahren entgangen, indem er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft eingegangen war. Epstein hatte sich damals teilweise schuldig bekannt und eine milde Haftstrafe bekommen. Im vergangenen Sommer wurde er in New York erneut angeklagt und nahm sich kurz darauf in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben.

Maxwell weist Vorwürfe zurück

Maxwells Anwälte versuchten im Vorfeld, ihre Mandantin dazu zu bewegen, sich von Epstein zu distanzieren. Die beiden hätten vor seinem Tod mehr als zehn Jahre lang keinen Kontakt mehr gehabt, teilten sie in einem an das Gericht adressierten Dokument mit. "Ghislaine Maxwell ist nicht Jeffrey Epstein." Maxwell habe die Vorwürfe gegen sich immer zurückgewiesen. Sie habe auch nicht deswegen in den vergangenen Monaten so zurückgezogen gelebt, um der Strafverfolgung zu entgehen, sondern aufgrund der "unerbittlichen und aufdringlichen Medienberichterstattung".

Die Staatsanwaltschaft erwiderte, dass Maxwell sich ihrer Festnahme allerdings zunächst widersetzt, sich in ein Zimmer ihres Anwesens zurückgezogen und die Tür abgeschlossen habe. FBI-Agenten mussten die Tür eintreten, um sie festzunehmen.

Maxwell stammt aus Großbritannien und ist das neunte Kind des Medienzaren Robert Maxwell und der französischstämmigen Holocaust-Forscherin Elisabeth Meynard. Geboren in Frankreich und aufgewachsen in der Nähe des englischen Oxford, übersiedelte Ghislaine nach dem Tod ihres Vaters in die USA, wo sie Epstein auf einer Party kennenlernte. Anfangs waren sie für einige Jahre ein Liebespaar, später sprach er von seiner "besten Freundin".

Auch der britische Prinz Andrew, der jahrelang mit Maxwell und Epstein bekannt war, soll in den Fall verwickelt sein. Der 60-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Die US-Ermittler würden ihn gerne als Zeugen vernehmen, werfen ihm aber vor, nicht zu kooperieren. Andrew bestreitet das. (APA, 14.7.2020)