Den Sommer verbringen viele daheim auf dem Balkon. Aber was ist auf dem wenigen Platz gestalterisch überhaupt möglich? Drei Planer haben sich für drei Freiflächen in drei unterschiedlichen, neuen Wiener Wohnprojekten etwas überlegt. Sie erzählen, welche Fehler passieren, wo man einen Bierkühler versenkt und welche Rolle Pinterest spielt.

Was ist auf dem wenigen Platz auf dem Balkon gestalterisch überhaupt möglich?
Foto: Getty Images

"Bei kleinen Flächen braucht es pfiffige Details"

Peter Baumgarten vom Planungsbüro Begründer rät zu Stauden, Beleuchtung – und einem Verzicht auf den Rasenmäher.

"Wir bekommen immer häufiger Anfragen zu sehr kleinen Freiflächen. Viele Menschen kaufen eine Wohnung genau deswegen, darum müssen diese Flächen alle Stückerln spielen. Für diesen 20 Quadratmeter kleinen Garten mit Terrasse habe ich mir eine Jungfamilie als Kunden vorgestellt. Es braucht Platz für die Spielgeräte der Kinder, Sitzmöglichkeiten und Grünraum.

Was viele überraschen wird: Ich rate bei einem so kleinen Garten nicht zu einer Wiese. Das macht bei dieser Größe keinen Sinn. Ein schöner Rasen ist viel Arbeit. Wer soll den Rasenmäher herausschleppen, wo will man den überhaupt lagern? Dass es keine Wiese gibt, heißt aber nicht, dass man auf Pflanzen verzichten muss. Im Gegenteil! Eine Option sind einige größere Solitärsträucher und Stauden. Aufgrund der Belichtungssituation wären das schattenverträgliche Gewächse wie Hortensien, Knöterich und Hosta. Bei den Solitären würde ich einen japanischen Ahorn nehmen.

Tisch, Lounge-Ecke und Platz für Pflanzen und zum Spielen: So könnte ein kleiner Garten für eine Familie gestaltet werden.
Visualisierung: Begründer

Wichtig bei kleinen Flächen: Es braucht pfiffige Details. Der Hauptfokus liegt auf einem großen Tisch. Dann gibt es eine Lounge-Ecke, die ich überdachen würde. Ich würde mit Spiegeln arbeiten, um den Raum optisch zu vergrößern. Auch auf die Beleuchtung sollte man nicht vergessen. Möglich sind auch gute Lautsprecher, damit man im Sommer mit dem Beamer auf der Hauswand Filme schauen kann.

Wer es geschickt anstellt, hat mit einem kleinen Garten nicht viel Arbeit. Das Unkraut muss gezupft werden, im Frühjahr wird gedüngt und geschnitten, im Herbst alles eingewintert. Ich rate zu einer Bewässerungsanlage, dann muss man im Sommer nur einmal am Tag einen Blick darauf werfen. Immer mehr Menschen wollen Gemüse anbauen. Das könnte man natürlich auch hier probieren. Eine Wassermelone wird angesichts der Lichtverhältnisse nichts werden, Tomaten vielleicht schon. Ausprobieren!

Exemplarisch wurde zur Planung ein Garten im Projekt "La Verde Vita" von Ulreich Bauträger verwendet. Es befindet sich in der Römergasse 59 im 16. Bezirk.
Visualisierung: Ulreich Bauträger

Für die Planung und Umsetzung eines kleinen, pfiffigen Gartens wie diesen hier bräuchte man wohl ein Mindestbudget von 8000 bis 10.000 Euro – ohne Möbel. Richtig spannend wird es ab 25.000 Euro.

Möglich ist jedenfalls alles – es hängt immer davon ab, was die Kunden wollen. Ein Kunde hat sich einmal einen Bierkühler gewünscht, der direkt in die Erde gegraben wurde. Auch das haben wir hingekriegt."


"Man muss sich um einen Freibereich kümmern"

Sabine Dessovic von DnD Landschaftsplanung mixt "Wiener Gefühl" mit Nordafrika – und versteckt sogar noch eine Dusche auf der Dachterrasse.

"Diese Dachterrasse ist für uns ein erweitertes Zimmer, in dem es Platz für verschiedene Funktionen gibt. Wir haben versucht, in Form des runden Sitzbereiches links vorn im Bild eine Fläche zu schaffen, an der man auch im Frühling und Herbst in der Sonne sitzen kann. Für den Hochsommer ist die Außenlaube gedacht. Die kann man – je nach Geschmack – komplett zuwachsen lassen. Die Laube passt gut zum Standort des Wohnhauses im 16. Bezirk. Sie vermittelt das "Wiener Gefühl" der Heurigenlauben. Denkbar wäre für den Hochsommer, Nebeldüsen zu installieren, die für Abkühlung sorgen. Achtung: Solche Lauben müssen konform mit Statik und Bauordnung sein.

Ein Plätzchen für jede Jahreszeit gibt es im Entwurf von DnD Landschaftsplanung. Für den Sommer ist auch eine Dusche und ein kleines Becken möglich.
Visualisierung: DnD

Im hinteren Bereich hängt eine Hängematte unter einem Sonnensegel. So wie man es aus Marokko kennt, raten wir bei Sonnensegeln zu kleineren, trapezförmigen Flächen, zwischen denen die warme Luft entweichen kann. In diesem Eck kann man sich in die Hängematte legen – oder, wie in nordafrikanischen Ländern, Outdoor-Teppiche auslegen und eine Outdoor-Chaiselongue aufstellen. Die Ecke ist eingefasst von einem erhöhten Beet, in dem Pflanzen wachsen, die einerseits trockenresistent sind, andererseits Winterkälte vertragen. Geeignet sind Federgras, Lavendel und Blaustahlhafer. Was auch gut dazu kombinierbar ist, sind Agaven in Töpfen.

Exemplarisch wurde eine Dachterrasse im Projekt "Bellevue Wilhelminenberg" der NOE Immobilien Development GmbH (NID) verwendet. Es befindet sich in der Steinmüllergasse 64 im 16. Bezirk.
Visualisierung: NID

Durch die unterschiedlichen Funktionen auf der Dachterrasse entstehen Einzelräume. Diese würde ich mit qualitativ hochwertige Einzeltrögen abgrenzen, in die mehrstämmige Bäume gepflanzt werden. Es muss aber alles überschaubar bleiben. Ein wenig hinter den Bäumen versteckt gibt es auch eine Dusche, außerdem vor den Pflanzentrögen ein kleines Becken – das muss nur zehn, 20, 30 Zentimeter tief sein –, in dem man sich die Füße abkühlen kann. Das kann ein Naturbecken sein, was ein bisschen mehr Arbeit ist, oder ein Chlorbecken.

Ich mache beim Planen von Freiflächen oft die Erfahrung, dass viele gar nicht wissen, was sie wollen. Meistens kommt die Planung der Freifläche am Ende eines Bauprojekts. Das ist auf der Baustelle die schlimmste Phase, und die Nerven liegen blank. Was immer hilft, ist, sich die Wohnung oder das Haus der Kunden anzuschauen. Das gibt Hinweise auf den Geschmack. Dann muss man sich an das Ganze herantasten – auch finanziell. Manche Kunden gehen die Gestaltung ihrer Freiflächen in Schritten an. Mit 150 bis 200 Euro pro Quadratmeter muss man bei einer Dachterrasse wie dieser schon rechnen. Wichtig ist, dass die Leute erkennen, dass man sich um einen Freibereich kümmern muss. Die Frage ist immer, ob die jeweiligen Kunden das Durchhaltevermögen dafür haben, den Freibereich dauerhaft in Schuss zu halten."


"Viele kommen mit Pinterest-Fotos"

Victoria Kranz von Blütenkranz findet auf dem kleinsten Balkon Platz für einen Baum. Sie rät zur richtigen Pflanzenauswahl.

"Mir war es wichtig, den Weitblick vom Balkon aus zu behalten. Ich habe einen Baum mit besonderem, mehrstämmigem Wuchs, etwa eine Felsenbirne, in einen auffälligen Trog positioniert. Mit stimmiger Beleuchtung kann er in Szene gesetzt werden. Durch das Fenster ist der Baum vom Wohnbereich aus sichtbar, sodass auch ein Patio-Gefühl vermittelt wird, während man drinnen auf dem Sofa sitzt.

Um das Ganze etwas verspielt und romantisch zu gestalten, habe ich mich für mehrere runde, bunte Teppiche entschieden. Dazu passt ein runder Metalltisch sowie Sitzpoufs in unterschiedlichen Farben. Eine klare Abgrenzung zum regulären Wohnraum schaffe ich durch die auffällige Farbkombination von Orange, Gelb und Pink. Mehr Grün bringe ich in das Konzept mit einem weiteren länglichen Trog und einigen kleineren dekorativen Trögen, die saisonal beispielsweise mit Kräutern bepflanzt werden können. Hierbei würden sich auch Schattengewächse wie Funkien, Herbstanemone oder Prachtspiere anbieten.

Bei Außenflächen, die vom Innenraum aus sichtbar sind, sollte auf ein ganzjähriges Konzept Wert gelegt werden. Und man sollte unbedingt mittels Beleuchtung weitere Akzente setzen.

Die Hitze wird auf Balkonen oft unterschätzt, Pflanzen zu selten gegossen, meint Victoria Kranz.
Visualisierung: Blütenkranz

Einige Fehler kommen mir auf Balkonen häufig unter. Die Hitze wird oft unterschätzt. Pflanzen werden dann zu selten gegossen. Ich empfehle daher immer, eine Bewässerungsanlage anzudenken. Besonders, wenn jemand keinen grünen Daumen hat. Auf den Wiener Dächern ist es außerdem oft windig, was viele Pflanzen gar nicht mögen. Gräsern oder einem Trompetenbaum wiederum macht der Wind nichts aus.

Meine Tipps: Bei der Pflanzenauswahl auf die Gegebenheiten auf der Terrasse achten. Die Art der Möblierung sollte nach der Süd-West-Ausrichtung gewählt werden, beispielsweise ein Sofa für die Abendsonne und ein Tischchen für die Morgensonne. Auf kleinen, dunklen Balkonen könnte man Kunstrasen verlegen.

Exemplarisch wurde ein Balkon im Projekt "Liv an der Alten Donau" von Liv Bauträger verwendet. Es befindet sich in der Mühlschüttelgasse 61 / Floridusgasse 50 im 21. Bezirk.
Visualisierung: Liv

Generell sollte das Budget für einen solchen Balkon bei 500 Euro Minimum liegen, ohne Möbel. Oft kommen Kunden mit Pinterest- oder Instagram-Bildern zu mir und sagen: ‚So etwas will ich auch.‘ Dabei wissen sie oft nicht einmal, um welche Pflanzen es sich auf den Fotos handelt. Mir hilft das trotzdem, weil ich mir so viel besser vorstellen kann, wovon die Kunden träumen." (Franziska Zoidl, RONDO, 17.7.2020)