Bei Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Boiko Borissow kam es in der bulgarischen Hauptstadt Sofia zu Ausschreitungen.

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Sofia – Bei erneuten Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Boiko Borissow in Bulgarien ist es in der Hauptstadt Sofia zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten, die den Rücktritt der Regierung fordern, versuchten am Dienstagabend in die einstige Zentrale der früheren kommunistischen Staatspartei einzudringen, wo jetzt Arbeitsräume der Parlamentsabgeordneten untergebracht sind.

Die Protestierenden schlugen die Eingangstür ein, wurden aber von der Polizei gestoppt, sodass sie nicht in das Gebäude gelangen konnten. Sechs Demonstranten wurden festgenommen, teilte Sofias stellvertretender Polizeichef Anton Slatanow in der Nacht auf Mittwoch mitteilte.

Zwei Sprengkörper geworfen

Zudem wurden zwei Sprengkörper geworfen, die zwei Demonstranten verletzten. Protestteilnehmer warfen nach Darstellung der Polizei auch Flaschen mit Aceton und Dosen mit roter Farbe. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt. Slatanow machte "Provokateure" dafür verantwortlich.

Ein starkes Polizeiaufgebot verhinderte eine weitere Eskalation bei diesem sechsten abendlichen Protest in Folge gegen die seit Mai 2017 amtierende bürgerlich-nationalistische Koalition. Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Regierungschef Borissow und von Generalstaatsanwalt Rumen Geschew.

Die Aktionen in Sofia und in den größeren Städten des Landes werden von Staatspräsident Rumen Radew und den oppositionellen Sozialisten unterstützt. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption vor und rufen in Sprechchören immer wieder "Mafia!". Sie wollen die Proteste fortsetzen.

Misstrauensabstimmung steht an

Die Sozialisten (Ex-KP) wollen am Mittwoch einen Misstrauensantrag gegen die Regierung wegen angeblicher Korruption einbringen. Sie riefen die Bulgaren auf, vor das Parlamentsgebäude zu kommen, um diesen Vorstoß zu unterstützen. Die Abstimmung wird voraussichtlich in der kommenden Woche stattfinden. Alle bisherigen Misstrauensabstimmungen wurden von der Regierungsmehrheit abgelehnt.

Borissow hatte bereits am Wochenende erklärt, dass seine Regierung im Amt bleiben werde. Auch Finanzminister Wladislaw Goranow und Verteidigungsminister Krassimir Karakatschanow bekräftigten am Dienstag, dass die Regierung nicht zurücktreten werde. Der nächste reguläre Wahltermin ist im März 2021. (APA, dpa, 15.7.2020)