Der Stromzähler lief wegen Corona in Haushalten schneller, in Betrieben hingegen stark gebremst.

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Sie heißen Dynamic Plus, Optima Float oder der Flexible: Beinahe jeder Stromanbieter in Österreich hat einen indexbasierten Stromtarif im Portfolio, um auch risikofreudigeren Kunden zu gefallen. Weil die Strompreise zuletzt stark gesunken sind, profitieren jetzt jene in besonderem Maße, die so einen Vertrag haben. Und das kommt so.

Weil im Gefolge des Corona-Lockdowns ab Mitte März nicht nur viele Hotels, Gasthäuser und Geschäfte zugesperrt haben, sondern auch die Produktion in den Unternehmen zurückgefahren wurde, ist der Stromverbrauch europaweit so stark eingebrochen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht. Das hatte Folgen auch für die an speziellen Börsen gehandelten Stromprodukte. Während jene Preise, die von Haushalten an Stromlieferanten zu zahlen sind, im Schnitt eher konstant geblieben sind, haben sich die Preise im Segment jener Kontrakte, die an die Großhandelspreise gekoppelt sind, teilweise stark reduziert.

Strompreise teils um bis zu 40 Prozent eingebrochen

"Durchschnittlich sind diese seit Jänner um 20 Prozent gesunken, teilweise sogar um bis zu 40 Prozent", sagte E-Control-Vorstandsdirektor Wolfgang Urbantschitsch dem STANDARD. Lag der Durchschnittspreis für Strom zur Lieferung am Folgetag (Day ahead) im Jänner bei 40,70 Euro je Megawattstunde (MWh), waren es im Mai, also mitten in der Corona-Krise, nur mehr 17,52 Euro. "Kunden, die mit einem Float-Tarif eins zu eins am Börsenpreis hängen, haben diese Preissenkung voll mitgemacht", ergänzte Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft in der E-Control.

Wobei es im Einzelfall darauf ankommt, an welchen Index der Floater gekoppelt ist. Neben dem österreichischen Strompreisindex gibt es andere Indizes (wie zum Beispiel der Börsenpreis Phelix oder der Marktpreis laut dem Ökostromgesetz). Diese können unterschiedlich stark schwanken.

Eins zu eins an Börsenpreis gekoppelt

Ein Anbieter – Spotty – verspricht Haushaltskunden und Gewerbetreibenden den gleichen Zugang zu Strompreisen, den sonst nur Energielieferanten und Großkunden wie Industrieunternehmen erhalten. Spotty bezieht Strom direkt an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und verkauft diesen mit Aufschlag eins zu eins an Kunden weiter.

Bei allen Float-Produkten gilt, dass der Preis, anders als bei den Standardprodukten, nicht für die gesamte Vertragsdauer festgesetzt ist, sondern sich regelmäßig ändert. Das heißt, wenn die Großhandelspreise steigen, steigt auch der Endkundenpreis rasch. À la longue fahre man aber auf jeden Fall besser mit einem Floater. "Günstiger als der Börsenpreis geht langfristig nicht", sagte Harri Mikk, der bei Spotty für das Deutschland- und Österreich-Geschäft zuständig ist.

Preiserhöhung trotz Corona

Es gibt aber auch gegenläufige Entwicklungen. "Heuer haben bereits 24 Lieferanten angekündigt, ihre Strompreise zu erhöhen, 19 Erhöhungen wurden bereits umgesetzt", sagte Urbantschitsch. Betroffen seien durchwegs Festpreisverträge, also solche, die nicht an den Großhandelspreis gekoppelt sind. Das ist die überwiegende Mehrheit in Österreich.

Die Verteuerungen, die ihre Ursache in gestiegenen Großhandelspreisen der Vor-Corona-Zeit haben, die wiederum auf gestiegene CO2- sowie höhere Ölpreise zurückzuführen sind, haben zwischen 1,0 und 21 Prozent betragen. Manche Versorger waren spät dran mit der Preiserhöhung und kamen in der Corona-Zeit stark unter Druck, diese auszusetzen.

Versorger unter Druck

Die Tiwag in Tirol hat etwa argumentiert, dass die Erhöhung der Strompreise per 1. April 2020 aufgrund rechtlicher Vorlauffristen nicht ausgesetzt oder verschoben werden könne. Haushalte, die von Corona stark betroffen sind, wollte man so weit wie möglich schonen.

Die Vorarlberger Illwerke VKW haben ihre ab 1. Mai geplant gewesene Preisanpassung auf Anfang August verschoben. (Günther Strobl, 16.7.2020)