Österreich hat die Corona-Pandemie ohne gröberen Telekommunikationsprobleme überstanden. Für die allermeisten, die ihre Arbeit oder Bildungsagenden in die eigenen vier Wände verlagern mussten, funktionierte das Homeoffice gut – jedenfalls was die Internetanbindung betrifft. Zu diesem Schluss kamen jedenfalls beim "5G Summit" der Internetoffensive Österreich die heimischen Netzbetreiber A1, Magenta und "3" sowie Andreas Reichhardt, Leiter der Sektion für Telekommunikation im Landwirtschaftsministerium, der in der Übergangsregierung Bierlein als Minister für Verkehr, Innovation und Technologie amtierte.

5G wird massentauglich

Und auch beim 5G-Ausbau sieht man sich unisono vorne dabei. Im internationalen Vergleich sei noch "alles paletti", erklärt dazu etwa Magenta-CEO Andreas Bierwirth. Doch das müssen nicht zwingend so bleiben. Zwischenzeitlich sei man "etwas langsam" geworden, was nicht ausschließlich der Coronavirus-Pandemie geschuldet sei. Er rechnet noch dieses Jahr mit deutlich mehr Anfragen seitens der Endkunden.

2020 sei das erste Jahr des "Massenrollouts", meint "3"-Chef Jan Trionow, jedoch seien noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen. Marcus Grausam, der A1 vorsteht, ortet steigendes Interesse aus den Gemeinden. Homeoffice und Co. hätten vieles an Skepsis erodiert, daher sei es "jetzt Zeit, Gas zu geben."

Das Panel versammelte den ehemaligen Infrastrukturminister, den Gemeindebund-Chef und die Chefs der heimischen Telekomanbieter.
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Behördliche "Superfragmentierung"

Die vielleicht eindringlichste Forderung der drei Betreiber zum Auftakt der Veranstaltung war jene der Mietensenkung für Antennenstandorte. Diese seien nicht nur im Vergleich sehr teuer, sondern man müsse sich auch mit einer "Superfragmentierung" der Zuständigkeiten zwischen Asfinag, Wohnungsgesellschaften und anderen Unternehmen oder Organisationen herumschlagen, beklagt Bierwirth. Die Miete eines Antennenstandorts in Berlin koste nur rund die Hälfte wie in Wien, Innsbruck oder Graz.

Auf dem Plan stehen neue Regelungen hier schon länger, doch man hinke den Ambitionen hinterher, meint dazu Trionow. Das gilt auch für andere Bereiche, wo man sich durch die gerade laufende Überführung des Europäischen Rechtsrahmens für Telekominfrastrukturbelange in österreichisches Recht Verbesserungen erhofft.

Ein Netz für alle Landbewohner

Gepocht wird auch darüber hinaus auf mehr Kooperation mit der öffentlichen Hand auf Bund-, Länder- und Gemeindeebene, als auch zwischen den Providern selbst. Hier stellt sich etwa die Frage des Umfangs des Netzausbaus. Gerade abseits der Ballungszentren befürworten Politik und Anbieter demnach das Modell eines einzigen Netzes, das allen Anbietern offen steht, die dann auf Ebene der Dienste miteinander konkurrieren. Dort wo die Bevölkerungsdichte höher und der Betrieb ertragreicher ist, werden die Telekomfirmen aber auch weiter auf Infrastrukturebene im Wettbewerb stehen.

Ein Ansatz, den auch Gemeindebund-Chef Walter Leiss bevorzugt. Er weist die Betreiber zudem darauf hin, dass bei der Wahl der Antennenstandorte Sensibilität gefragt sei. Beispielsweise bei Schulen und Kindergärten: "Der Bürger erblickt da eine Antenne am Dach und sieht rot." Bei "3" hofft man auch auf Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen in puncto Information, um unbegründete Ängste auszuräumen. In den vergangenen Monaten haben immer wieder verschiedene Verschwörungstheorien die Runde gemacht. In manchen Ländern, insbesondere in Großbritannien, kam es sogar zu zahlreichen Brandanschlägen auf Funkmasten.

Ein neuer Sendemasten wird installiert – hier allerdings nicht in Österreich, sondern in Kalifornien.
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Seitens der Politik wird das Ziel verfolgt, dass die Internetanbindung für Menschen künftig kein Kriterium bei der Ortswahl für ihre privaten vier Wände oder ihre Betriebsstätte sein soll. Sprich: Auch bisher unterversorgte Gegenden sollen dank 5G zumindest drahtlos stabile Breitbandanbindung erhalten. Daher probiert man sich bei den Frequenzauktionen erstmals an einem Bonussystem, bei dem sich die Anbieter nachträglich mit dem Ausbau in bestimmte Gebiete Rabatte sichern können. Das Auktionsformat sei ausdrücklich nicht dafür konzipiert worden, den Preis der Frequenzen möglichst in die Höhe zu treiben.

Huawei nicht am Plan

Kein Thema war die Causa Huawei. Der chinesische Anbieter, der schon länger unter US-Embargo steht, wurde kürzlich in Großbritannien vom Netzausbau ausgeschlossen. In Österreich kommt der Konzern zumindest teilweise zum Zug.

So erklärte Magenta auf Nachfrage des STANDARD, dass man auf mehrere Ausrüster setze und dabei alle Vorgaben der Regierung und Telekombehörde RTR erfülle. Vor allem nutze man Equipment von Nokia, Cisco, Ericsson und Huawei. Jedoch verzichte man "im Kernnetz" auf Equipment chinesischer Hersteller.

Auch Liwest verwendet Produkte von Huawei. "3" hingegen nutzt wiederum hauptsächlich Technik von dessen ebenfalls chinesischen Konkurrenten ZTE, der bereits temporär unter US-Sanktionen stand. A1 verlautbarte bereits vor längerer Zeit, beim Ausbau des neuen Mobilfunknetzes ausschließlich mit Nokia zu kooperieren.

Durchschnittsland Österreich

Also "alles paletti" im 5G-Land Österreich? Mitnichten, erklärten mehrere Marktbeobachter in einem darauffolgenden Panel. Georg Serentschy (Serentschy Advisory Services) sieht die Alpenrepublik "sicher nicht an der Spitze", sondern im europäischen Mittelfeld. Während man in einigen Telekombelangen überdurchschnittlich unterwegs sei, hinke man in anderen Bereichen drastisch nach. Als Beispiel nannte er etwa den Ausbau von Glasfasernetzen bis in Wohngebäude. Im letzten Ranking des FTTH Council Europe lag man mit einer Versorgungsrate von gerade einmal 1,9 Prozent der Haushalte am letzten Platz aller ausgeschilderten europäischen Staaten.

In Sachen regulatorischem Umfeld sieht Serentschy Österreich "in einer Zeitkapsel gefangen". Insbesondere die Behördenstruktur sei im Hinblick auf solche vielschichtigen Herausforderungen wie den Ausbau der Telekominfrastruktur schlicht "dysfunktional". Es brauche "konsequente Deregulierung, wo immer das möglich ist" sowie Fördermaßnahmen zur Steigerung der Nachfrage, etwa mit Gutscheinmodellen für künftige 5G-Kunden. Strategien gäbe es bereits genug, sie müssten nun umgesetzt werden. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum man beim Schisport stets den Anspruch habe, "ganz vorne dabei" zu sein, sich aber hier nicht aus der "Komfortzone Durschnitt" herausbewege.

Ex-Telekom-Vorstand kritisiert schleppenden Glasfaserausbau

Boris Nemsic von Delta Partners, er war in den 2000er-Jahren lange in führenden Positionen bei der Mobilkom und Telekom Austria, schätzt die Lage düsterer ein. Er kritisiert vor allem den langsamen Glasfaserausbau, zumal dieser auch für 5G erforderlich ist. Nemsic bemängelt Kosten und Rahmenbedingungen. Hierzulande koste ein Glasfaseranschluss bis zu 7.000 Euro und im Schnitt 2.500 Euro, während man in Spanien nur 700 zahle. Das sei "nicht normal". Es gelte die Grundlagen dafür zu schaffen, damit die digitalen Services, die 5G ermöglichen soll, auch überall laufen. Er sei ob des aktuellen Standes zwar "nicht zufrieden", aber immerhin "optimistisch".

Karim Tage (Arthur D. Little) hat hingegen wenig Sorge, dass man beim Ausbau aufholen werde. Er plädiert für mehr Initiativen im Bereich Nachfrageförderung und fordert, dass Österreich die europäische Führerschaft bei der Digitalisierung der Industrie übernimmt und auch öffentliche Online-Angebote stark ausbaut. (gpi, 15.07.2020)