So wurden Sauropoden früher dargestellt – aber wozu hätten sie sich derart belasten sollen?
Foto: AP Photo/Jens Meyer

Dinosaurier-Fans älterer Generationen werden sich noch gut daran erinnern können, wie Sauropoden früher dargestellt wurden: mit einem langen Schwanz, den sie hinter sich her schleiften. Was eigentlich schon damals die Frage aufwarf, warum sich die Tiere mit einem derart unnützen Anhängsel überhaupt hätten abmühen sollen. Erst recht, wenn dieses mehrere Tonnen schwer war, wie nun das Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin berichtet.

Inzwischen ist man von solchen überholten Vorstellungen längst abgekommen. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich herausgeschält, dass die riesigen Dinos ihre Schwänze stets über dem Boden hielten. Der Schwanz balancierte nicht nur den ebenso langen Hals aus, die massive Muskulatur an seinem Ansatz unterstützte auch die Fortbewegung. Möglicherweise haben manche Arten ihn auch als peitschende Abwehrwaffe gegen Fleischfresser eingesetzt.

Neue Analyse

Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Berlin, hat nun zum ersten Mal den dreidimensionalen Bewegungsapparat des Schwanzes eines der am vollständigsten erhalten gebliebenen Sauropoden rekonstruiert: den 150 Millionen Jahre alten Giraffatitan brancai aus der Brachiosaurier-Verwandtschaft.

Alle Elemente des Schwanzes, also Wirbel und Rippen der Schwanzwirbelsäule, sowie das Becken und die Hintergliedmaßen, wurden mittels Photogrammetrie digitalisiert. Danach wurde das Schwanzskelett mit einer speziellen Software rekonstruiert. Im Anschluss wurden die Muskeln dank der überlieferten Unebenheiten und Grate, die diese Weichteile auf den Knochen hinterlassen hatten, modelliert. Als modernes Vergleichsmaterial dienten die Schwänze von Krokodilen.

Blick in den Dinosauriersaal des Museums für Naturkunde in Berlin. Dessen Prunkstück, das Skelett des riesigen Giraffatitan, wurde 2007 umgebaut und hält nun den Schwanz hoch.
Foto: Museum für Naturkunde

Dank dieser detaillierten dreidimensionalen Rekonstruktion des Schwanzes waren die Forscher dazu in der Lage, das wahrscheinliche Gewicht und Volumen jedes einzelnen Muskels genauer zu berechnen. Es ergab sich ein hypothetischer Gesamtwert für den kompletten Schwanz von ca. 2,5 Tonnen. Und fast die Hälfte der Masse befand sich im vorderen Teil des Schwanzes, wo die kräftige Muskulatur zum Vortrieb der Hintergliedmaßen beitrug, anstatt kräftezehrend hinterhergeschleift zu werden. (red, 16. 7. 2020)