Phyllotis xanthopygus auf einer Darstellung aus den 1830er-Jahren – die weit verbreitete Spezies wurde erstmals vom britischen Naturforscher George Robert Waterhouse beschrieben.
Illustration: Archiv

Eine Maus hält nun den Rekord für das am höchsten lebende Säugetier, das jemals dokumentiert wurde – genauer gesagt eine Blattohrmaus der Spezies Phyllotis xanthopygus. Ein Team chilenischer und US-amerikanischer Biologen entdeckte die kleine Alpinistin auf dem 6.739 Meter hohen Gipfel des Vulkans Llullaillaco an der Grenze Chiles zu Argentinien.

Mäuse dieser Art haben ein graubraunes Fell mit heller Bauchseite und werden etwa 55 Gramm schwer. Um dieses Gewicht halten zu können, müssen sie alles fressen, was sich in ihrem kargen Lebensraum finden lässt, ob Samen oder Insekten – auf Höhe des Gipfels gibt es nicht einmal mehr grüne Pflanzen.

Von Mäusen und Menschen

Dass die Tiere in den Andenregionen Argentiniens, Chiles, Perus und Boliviens noch auf 5.000 Meter Höhe zu finden sind, war bereits bekannt. Ein Team um Jay F. Storz von der University of Nebraska-Lincoln wollte nun auf dem Llullaillaco testen, ob das Verbreitungsgebiet noch weiter nach oben reicht. Und das tat es auch: Selbst jenseits der Fünfkilometermarke konnten die Forscher noch jede Menge Mäuse (vorübergehend) in Fallen fangen. Die Rekordhalterin fand sich schließlich auf dem Gipfel selbst.

Nur Menschen haben sich bislang in eine solche Höhe begeben – und nicht allein solche europäischer Abstammung. Den Inka galt der Llullaillaco als heilige Stätte, an der sie den Göttern Opfer darbrachten. 1999 entdeckten Archäologen auf dem Gipfel des Vulkans die Mumien dreier Kinder, die unter Plattformen aus aufgeschichteten Steinen bestattet worden waren.

"La Doncella" ist eine der tiefgefrorenen Kindermumien, die auf dem Gipfel des Llullaillaco gefunden wurden.
Foto: REUTERS/El Tribuno-Walter Echazu

Andere Säugetiere hat man in solcher Höhe hingegen noch nie angetroffen, laut den Forschern auch nicht im Himalaya oder anderen Gebirgsketten. Selbst die höchstfliegende Fledermaus kann da nicht mithalten: Die Mexikanische Bulldoggfledermaus kann sich auf beachtliche drei Kilometer emporschwingen. Da sie nicht im Hochgebirge startet, bleibt sie allerdings deutlich unter der Marke von Phyllotis xanthopygus.

Und doch könnte es da noch mehr geben, vermutet Storz. Da Biologen eher selten Hochgebirgsexpeditionen unternehmen, habe man vielleicht unterschätzt, wie gut sich kleine Säugetiere an extreme Höhenlagen anpassen können und dementsprechend vielleicht noch viel weiter oben leben, als man bisher dachte. (jdo, 17. 7. 2020)