International wurde gegen die Todesurteile protestiert – wie hier in Berlin.

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Teheran – Im Iran ist die Hinrichtung von drei Teilnehmern der Proteste vom November 2019 vorerst gestoppt worden. "Wir hoffen, dass das Urteil gekippt wird", sagte Babak Paknia, einer der Anwälte der Verurteilten, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP, nachdem das Oberste Gericht einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zugelassen hatte.

Das Todesurteil gegen die drei Demonstranten hatte international heftige Kritik ausgelöst. Nach Angaben der iranischen Behörden wurden die drei Verurteilten während eines "bewaffneten Überfalls" festgenommen. Auf ihren Handys seien Beweise gefunden worden, dass sie zuvor öffentliche Gebäude und Busse in Brand gesetzt hatten.

Allgemeiner Hinrichtungsstopp gefordert

Am Donnerstag hatte eine Gruppe von Uno-Rechtsexperten den Iran aufgefordert, die Todesurteile aufzuheben. US-Präsident Donald Trump erklärte, eine Hinrichtung dieser drei Menschen würde "ein schreckliches Signal an die Welt" senden.

Unter dem Hashtag "#DontExecute" forderten zahlreiche Menschen im Internet allgemein einen Hinrichtungsstopp in der Islamischen Republik. Vor zwei Wochen war ein Mitarbeiter des iranischen Verteidigungsministeriums wegen Spionage für die USA hingerichtet worden.

Proteste wegen hoher Treibstoffpreise

Die Proteste Mitte November im Iran hatten sich daran entzündet, dass die Behörden die Treibstoffpreise über Nacht mehr als verdoppelt hatten. Zunächst waren nur wenige Städte betroffen, später breiteten sich die Proteste dann aber auf städtische Gebiete im gesamten Land aus.

In der Folge wurden Tanksäulen in Brand gesetzt, Polizeiwachen angegriffen und Geschäfte geplündert. Die Sicherheitskräfte schlugen die Proteste nieder. Genaue Opferzahlen liegen nicht vor, Schätzungen reichen von 230 bis zu mehr als tausend Todesopfern. (APA, AFP, 19.7.2020)