Chrome by Google.

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Endlich schlanker: Dieses Versprechen gaben unlängst die Chrome-Entwickler für ihren Browser ab. Dank der Nutzung eines neuen, "Segment Heap" genannten Features von Windows 10, soll der Chrome künftig im Schnitt 27 Prozent weniger RAM verbrauchen. Oder um exakt zu sein: sollte. Denn Google macht nun einen Rückzieher.

Testlauf

Mit Chrome 85 wird die Speichersparfunktion wieder deaktiviert. Der Grund dafür ist allerdings durchaus nachvollziehbar: Weitere Tests hätten nämlich gezeigt, dass der Einsatz von Segment Heap einen weniger erfreulichen Nebeneffekt hat: In von einem Intel-Entwickler durchgeführten Benchmarks auf einem PC mit Intel Core i9-9900K zeigt sich nicht nur ein Leistungsabfall von rund zehn Prozent, die CPU-Nutzung geht gar um 13 Prozent hinauf – und damit natürlich auch der Stromverbrauch.

Entsprechend haben sich die Chrome-Entwickler dazu entschlossen, das Feature vorerst wieder zu deaktivieren, in Chrome 85 soll es aber zumindest über eine versteckte Option zur Verfügung stehen – falls jemand das Ganze in dieser Form wirklich will. Gleichzeitig betont Google, dass man sich nicht so einfach geschlagen geben will. Das Feature soll nämlich weiterentwickelt werden, um es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu probieren. Wann es so weit sein wird, bleibt dabei aber zunächst unklar, Google selbst macht in dieser Hinsicht nicht allzu große Hoffnungen: Die Umsetzung würde "wesentliche Änderungen" an der Codebasis des Browsers benötigen. Das klingt nicht so, als würde es sonderlich schnell gehen.

Kooperation

Parallel dazu will auch Microsoft erforschen, ob Segment Heap weiter verbessert werden kann. Das übrigens durchaus aus konkretem Eigeninteresse: Immerhin nutzt Microsofts Edge-Browser dieselbe Basis wie Chrome – Googles Chromium-Projekt –, insofern würde man von diesen Optimierungen ebenfalls profitieren.

Segment Heap wurde mit dem Mai-Update für Windows 10 (Version 2004) eingeführt. Die neuen Schnittstellen sind dabei keineswegs nur für Browser gedacht, vielmehr soll damit generell Programmen bei der Reduktion des RAM-Verbrauchs geholfen werden. (red, 21.7.2020)