Plattformen für Kryptoinvestments sollten wirklich gut geprüft werden. Auch Aufsichten warnen laufend vor schwarzen Schafen, die Kunden abzocken und bedrohen.

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Ein Investment in Bitcoin mag verlockend klingen. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass das Risiko in dieser Anlageklasse hoch ist.

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Frau M. hat es gewagt. Sie hat 250 Euro auf einer Kryptoplattform (www.fxcryptoclub.cc) veranlagt und wollte Teil des Hypes um digitales Geld sein. Nach anfänglichen, mündlich zugesicherten Zugewinnen wurde sie von ihrem Betreuer von der Plattform dazu angehalten, doch mehr Geld zu investieren. Doch das ging Frau M. zu schnell. Sie wollte lieber den Erstgewinn abschöpfen. Der Berater ließ nicht locker, wollte Frau M. zu neuen Investments überreden. Die Anlegerin hingegen pochte auf ihre Gewinnauszahlung. Doch plötzlich hieß es: Man könne ihr gar kein Geld mehr auszahlen, weil sie nun Verluste verzeichnet habe.

Neues Konto, noch mehr Geld

Frau M. wurde von ihrem Betreuer angewiesen, ein Konto bei www.advancedcash.com zu eröffnen, um weitere Transaktionen durchzuführen. Es folgten zahlreiche Anrufe und E-Mails von ihrem Betreuer – Frau M. fühlte sich mittlerweile bedrängt und von der Flut an Informationen überfordert. Faktum war, dass Frau M. mehr als 1000 Euro von ihrer Kreditkarte abgebucht wurden – als Gutschrift auf ihrem Fxcryptoclub-Konto.

Danach folgte das, was man gemeinhin als "schlechten Film" zusammenfassen kann: Frau M. wurde von einem neuen Kundenbetreuer kontaktiert, Telefonnummern auf der Homepage waren nicht mehr aktuell und teilweise nicht mehr aktiv. Auf die E-Mails von Frau M. mit der Aufforderung, die 1000 Euro rückzuüberweisen, folgten Antworten in schlechtem Deutsch und etliche Anrufe, die entweder beschwichtigend waren oder drohenden Charakter hatten. Die Kundenbetreuer wechselten in der Folge mehrfach, das Geld floss nicht retour.

Frau M. wandte sich an die Arbeiterkammer (AK), die mehrfach bei Fxcryptoclub intervenierte. Das Geld floss dennoch nicht retour, also wandte sich die AK an die Behörden auf den Marshall Islands – ein Inselstaat im Pazifik, weit weg von Europa und den zuständigen Aufsichtsbehörden. Der AK-Brief an die Polizei der Marshall Islands kam als unzustellbar retour. Eine Aufsichtsbehörde oder eine Konsumentenschutzeinrichtung gibt es dort nicht.

Mehrmalige Versuche

Die Kreditkartenfirma wies das Geld nicht retour, weil es sich laut deren Auskunft nicht um eine betrügerische Abbuchung handelte – der Abzug war von der Karteninhaberin genehmigt. Frau M. erhielt jedoch eine Aufstellung, die zeigte, wie oft versucht wurde, Geld von ihrer Karte abzubuchen. Fünf Buchungen innerhalb einer Dreiviertelstunde an einem Tag. Versucht wurden erst größere Beträge, weil diese wegen fehlendenden Kontorahmens abgelehnt wurden, versuchten es die vermeintlichen Kryptobetrüger mit geringeren Beträgen, bis eine Buchung durchgeführt werden konnte.

Bei der Arbeiterkammer mehren sich derzeit Anfragen von Konsumenten, die dieser Betrugsmasche aufgesessen sind. Der Ablauf ist immer gleich: Erst werden kleine Beträge investiert. Das Startkapital vermehrt sich innerhalb kurzer Zeit um ein Vielfaches, das soll Leute motivieren, noch mehr Geld zu überweisen. Weil die vermeintlichen Berater ihre Kunden oft enorm unter Druck setzen, fließen nicht selten Nachfolgeinvestments. Den Betroffenen entstehen oft Schäden im fünfstelligen Eurobereich. (Bettina Pfluger, 23.7.2020)