Obwohl sich Russland ursprünglich nicht in die inneren Angelegenheiten der Türkei einmischen wollte, spricht sich Wladimir Putin nun doch offiziell gegen die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee aus.

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Russlands Präsident Wladimir Putin und Griechenlands Regierungschef Kyriakos Mitsotakis haben sich für eine Erhaltung der Hagia Sophia in Istanbul als "Errungenschaft der gesamten Menschheit" ausgesprochen. Sie solle als "Symbol für Frieden und Verständigung" dienen, teilte der Kreml am Mittwoch in Moskau mit.

Die beiden Politiker betonten demnach bei einem Telefonat die "außerordentliche kulturelle, historische und geistliche Bedeutung dieses einzigartigen Objekts des Welterbes".

Russisch-orthodoxe Kirche als Treiber

Offiziell hatte Russland erklärt, dass es sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Türkei einmische. Prominente Politiker und die Führung der russisch-orthodoxen Kirche hatten die Entscheidung der Türkei aber kritisiert. "Die Bedrohung der Heiligen Sophia ist eine Gefahr für die gesamte christliche Zivilisation – und damit für unsere Geistlichkeit und Geschichte", erklärte Patriarch Kirill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Anfang des Monats.

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am 10. Juli den Status der Hagia Sophia als Museum aberkannt und damit einen Beschluss des Ministerrats aus dem Jahr 1934 gekippt. Kurz danach ordnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. Von Freitag an wird die bisher als Museum genutzte Hagia Sophia wieder zur Moschee.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. ("Der Eroberer") die Hagia Sophia in eine Moschee um. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an. (APA, 22.07.2020)