Dass bunte Lämpchen angeknipst werden, hat in apulischen Städten Tradition. Dass ein französisches Modehaus auf dem Domplatz der Barockstadt Lecce Lichterbögen aufstellt, das gab's noch nie. Für seine Cruise-Show 2021 inszenierte das zum Luxuskonzern LVMH gehörende Unternehmen wie gewohnt ein aufwendiges Spektakel. Doch statt internationale Gäste nach Apulien einfliegen zu lassen, fand die Dior-Show am Mittwochabend ohne Publikum statt. Corona hat dem Modehaus einen Strich durch seinen Schauenkalender gemacht. Stattdessen wurde die Präsentation virtuell übertragen: Sie solle als Hommage an die krisengebeutelte süditalienische Region Apulien sowie die italienischen Handwerksbetriebe verstanden werden, hatten Pietro Beccari, CEO des Unternehmens, und Kreativchefin Maria Grazia Chiuri im Juni angekündigt. Apulien ist auch die Heimat von Chiuris Vater.

Die 90 Looks starke Kollektion setzte auf das unter Kreativchefin Chiuri in den vergangenen vier Jahren entwickelte Formenvokabular: transparente bestickte mädchenhafte Kleider, lederne Korsagen, dazu flache Schuhe, statt zu Baskenmützen oder Hüten griff Chiuri diesmal zu Kopftüchern.

Foto: REUTERS/Alessandro Garofalo
Für die Lichtinstallation am Domplatz von Lecce verantwortlich: die italienische Künstlerin Marinella Senatores.
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Begleitet wurde die Laufstegshow von Tänzen der lokalen Stiftung La Notte della Taranta, die von der Choreografin Sharon Eyal entwickelt worden war.

Foto: Filippo MONTEFORTE / AFP
Designerin Maria Grazia Chiuri nach der Show.
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Christian Dior

Seit dem Lockdown ringen die Modeunternehmen um neue Formen der Präsentation von Mode. Einige Häuser haben bereits angekündigt, die Anzahl der Kollektionen und Präsentationen zu reduzieren. Das zum Luxuskonzern Kering gehörende Label Gucci will nur noch zwei Modekollektionen pro Jahr zeigen, Saint Laurent seine Schauen unabhängig vom Modekalender präsentieren. (red, 23.7.2020)