Der größte Teil des legendären Wiener Pfeilheims wird ab Herbst geschlossen und nach 52 Jahren Betrieb umgebaut. Hier entstehen 450 moderne Heimplätze.

Foto: Akademikerhilfe

Distance-Learning wird auch im Herbst zum Alltag von Studierenden gehören. Sie werden viele Lehrveranstaltungen online absolvieren können – und dafür nicht extra mit Sack und Pack in ihre Universitätsstadt ziehen müssen. Das könnte für Studierendenheime, von denen speziell in Wien in den letzten Jahre viele errichtet wurden, zur Herausforderung werden.

In den meisten Häusern geht es schon seit dem Lockdown beschaulich zu: Manche internationale Studierende, die nicht heimfahren konnten, sind zwar geblieben. Viele Bewohnerinnen und Bewohner aus Österreich sind für das Sommersemester aber gleich gar nicht ein- oder im März wieder ausgezogen. "Für das Sommersemester war die Buchungsaktivität praktisch nicht vergleichbar mit den Vorjahren", heißt es bei Milestone. Die zu Value One gehörige Marke betreibt acht Premiumstudierendenhäuser in Österreich und Portugal. Nun erhole sich die Lage aber langsam. Denn auch wenn Lehrveranstaltungen online stattfinden, würden Studierende "nicht auf wesentliche Aspekte des Studierendenlebens verzichten wollen".

Auch Bernhard Tschrepitsch, Generalsekretär des gemeinnützigen Heimträgers Akademikerhilfe, berichtet von zahlreichen Anmeldungen für das kommende Wintersemester, die Lage sei derzeit "nicht besorgniserregend". Seit Mai bemerkt er zudem eine Bewegung zurück ins Heim. Das führt er auf einen "Lagerkoller" zurück, der bei vielen im Elternhaus ausgebrochen sei. Spannend wird es aber im Herbst, wenn die Heime sich füllen. Aktuell werden bei allen Heimträgern Konzepte erarbeitet, wie im Heimalltag mit Corona-Verdachtsfällen umzugehen ist, erzählt Tschrepitsch.

Laut Florian Huemer, Geschäftsführer der gemeinnützigen Stuwo AG, bleibt nun abzuwarten, wie sich die Reisebeschränkungen, die auch ausländische Studierende betreffen, auswirken: "Ich hoffe, dass die jetzt bemerkbare positive Tendenz nicht durch kleine Wellen wieder zerstört wird", so Huemer.

Pfeilheim wird saniert

Die Corona-Pandemie könnte aber das endgültige Aus für das Doppelzimmer bedeuten. Früher waren zwei Betten in einem Zimmer Standard, heute gibt es diese Wohnform nur noch vereinzelt. Gefragt sind heute Wohneinheiten mit eigenem Bad und Küche. Bei der Akademikerhilfe werden Doppelzimmer aktuell nur an Einzelpersonen oder Pärchen vergeben. Ansonsten werde auch an die Eigenverantwortung der Bewohner appelliert, sagt Tschrepitsch – etwa, was die Benutzung von Gemeinschaftseinrichtungen, Stiegenhäusern und Liften angeht.

Klar ist: Partyräume, die zur Grundausstattung eines jeden Heimes gehören, werden im Herbst leer bleiben. Dort, wo Partys erlaubt sind, müssen Anwesenheitslisten geführt werden, um Ansteckungswege im Fall des Falles nachvollziehen zu können.

Das Timing für die Generalsanierung des großen Pfeilheims in der Pfeilgasse 3a in der Josefstadt ist also nicht so schlecht. Die "Mutter aller Studentenheime", wie Tschrepitsch das legendäre Heim nennt, war seit ihrer Eröffnung 1967 nonstop in Betrieb. Nun wird es zwei Jahre geschlossen und ab Herbst saniert und erweitert auf 450 Heimplätze, um 50 mehr als bisher. Die Zimmerstruktur soll "zeitadäquat" angepasst werden, hier wird es keine Doppelzimmer mehr geben.

Wohnraum in Innsbruck

Besonders rar ist leistbarer studentischer Wohnraum aktuell in Innsbruck. Hier tut sich die Akademikerhilfe mit kirchlichen Institutionen zusammen. Im Redemptoristenkollegium in der Maximilianstraße entstehen beispielsweise 100 Plätze. Im Collegium Canisianum der Jesuiten in der Tschurtschenthalerstraße werden es 225.

Bewohnern wird in den Häusern außerdem ein religiöses Angebot gemacht, das freiwillig ist. "Und wir verwehren uns nicht gegen Kreuze in den Zimmer", betont Tschrepitsch. Tatsächlich unumgänglich in einem Tiroler Studentenheim sind Skiställe im Keller.

Auch bei Milestone geht die Expansion weiter: Im Herbst wird ein Haus in Aachen eröffnet. Weitere Projekte in Deutschland, den Niederlanden, Portugal, Polen und weiteren europäischen Ländern sind in Planung. Dass sich Corona langfristig auf das studentische Leben auswirken wird, glauben die Betreiber nicht. Auch wenn Studierende statt auf der Uni im nächsten Semester viel in ihren Zimmern sitzen werden. (Franziska Zoidl, 24.7.2020)